Wild-Wochen im Chimära in der Bonner Altstadt

„Entsetzen brach aus“

Januar 8, 2010

Den Beitrag in Ihrer Ausgabe Nr. 177 „In Bad Honnef brach das Entsetzen aus“, in dem Sie sich mit den Ereignissen des Jahres 2002 beschäftigen, habe ich natürlich mit der gebotenen Aufmerksamkeit gelesen. Er hat dafür Sorge getragen, dass nunmehr acht Jahre später zumindest bei mir ein erneutes Entsetzen ausgebrochen ist. Ihre Darstellung zur Aufgabe der seinerzeit 121 Jahre alten Honnefer Volkszeitung ist falsch. So schreiben Sie, „kaum einer wollte das Blatt noch lesen, die Auflage sank immer tiefer, die hauseigene Druckerei hatte keine Aufträge mehr“. Ich darf Ihnen versichern, dass die Auflage der HVZ keineswegs sank. Auch ist Ihre Wahrnehmung, dass kaum einer mehr das Blatt lesen wollte, nicht mit der Realität in Einklang zu bringen. Vielmehr hatte die Honnefer Volkszeitung im Gegensatz zu anderen Lokal- und Regionalzeitungen keinen Abonnentenschwund. Richtig ist, dass es Einbrüche im Anzeigengeschäft gegeben hat. Einnahmen aus dem Anzeigengeschäft machen in aller Regel zwei Drittel der Erlöse eines Zeitungsverlages aus. Richtig ist auch, dass bedingt durch den Regierungsumzug vom originären Zeitungsgeschäft losgelöste Druckaufträge etwa des Deutsch Französischen Jugendwerkes oder des Bundes Deutscher Zeitungsverleger ausblieben. Hinzu kamen allgemeine konjunkturell bedingte Umsatzeinbußen. Ferner schreiben Sie „Victor Francke erklärte den rund 100 Teilnehmern, wie die HVZ im General Anzeiger untergebracht werden soll“. Von einer „Unterbringung“ war zu keinem Zeitpunkt die Rede. Richtig ist, dass die damalige Ankündigung umgesetzt wurde und die Honnefer Volkszeitung im Lokalteil des General-Anzeigers im Rahmen der Möglichkeiten „weiterlebt“. Dass die Aufgabe der HVZ im Jahre 2002 ein „nicht wahrhaftiges Entsetzen“ bei den Honnefern ausgelöst haben soll, mag von Ihnen so empfunden worden sein. Ich hingegen habe aufrichtige Trauer nicht zuletzt wegen der Aufgabe von 30 Arbeitsplätzen und des Wegfalls eines der wichtigsten Kommunikationsmittel der Stadt wahrgenommen. Nicht umsonst hieß es in der über die Schließung der Zeitung berichtenden überregionalen Presse „Eine Stadt verliert ihre Stimme“.

Victor Francke, Chefredakteur der HVZ von 1989 bis 2002

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