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„Erstmals gibt es nun belastbare Aussagen“

September 28, 2009

Nationalpark: Umweltministerium stellte Finanzplanung vor. Bad Honnef gewinnt auf jeden Fall

Das Wort zum SonntagEine der häufig gestellten Fragen in der Diskussion rund um den geplanten Nationalpark Siebengebirge ist: Welche finanziellen Auswirkungen hat der Nationalpark für die Kommunen? Das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein- Westfalen (MUNLV) hat einen Finanzplan erarbeiten lassen, aus dem sich auch zu dieser Frage erste Antworten ergeben. Gemeinsam informierten vergangenen Montag Thomas Neiss, Leiter der Naturschutzabteilung im Umweltministerium, Landrat Frithjof Kühn, Bad Honnefs Bürgermeisterin Wally Feiden, Königswinters Bürgermeister Peter Wirtz, der Vorsitzende des Verschönerungsvereins für das Siebengebirge (VVS), Herbert Krämer, und Ministerialrat Hubert Kaiser ebenfalls aus dem Umweltministerium über die Erkenntnisse. „Erstmals gibt es nun belastbare Aussagen darüber, in wieweit ein Nationalpark Siebengebirge unsere jeweiligen kommunalen Kassen beoder entlasten wird“, sagte Landrat Frithjof Kühn, „dies ist eine wichtige Aussage in der aktuellen Diskussion. Vor allem die Spekulationen über den Ausverkauf des Bad Honnefer Stadtwaldes haben damit hoffentlich ein Ende.

Keinerlei finanzielle Nachteile

Es wird deutlich, dass für die Stadt Bad Honnef durch die Verpachtung ihres Waldes keinerlei finanzielle Nachteile entstehen würden.“ Laut Gutachten der Firma Deloitte Consulting GmbH würden für das Land Nordrhein- Westfalen für den geplanten Bürgernationalpark Siebengebirge im Anfangsjahr 2011 Kosten in Höhe von circa 3 Millionen Euro entstehen. Bis zum Jahr 2030 entwickeln sich diese Kosten durch die durchschnittlich zu erwartenden Preissteigerungsraten bei den Sach- und Personalkosten, auf circa 4,5 Millionen Euro. Hauptkostenblock sind dabei die Personalkosten, die im Jahr 2011 für die zugrunde gelegten 35 Stellen, mit circa 1,7 Millionen Euro beziffert werden. Der Finanzplan, in Verbindung mit den übrigen durchgeführten Vorkalkulationen für die beteiligten Städte und den Rhein-Sieg-Kreis, berücksichtigt alle Mehraufwände und Mindererlöse, die mit der Gründung des Bürgernationalparks Siebengebirge ursächlich verbunden sind. Erfasst w-urden mit dem Gutachten, vor allem die Auswirkungen durch Flächenstilllegungen, Personalaufwendungen und veränderte Flächennutzungen (z. B. Jagdpachten). Darüber hinaus wurden aber auch Verlagerungen oder der Wegfall von Aufwendungen untersucht. Nicht Gegenstand der aufgestellten Wirtschaftsplanungen sind Themen, wie die Verkehrsinfrastruktur, regionalökonomische Effekte des Tourismus, der Erwerb von Flächen Privater, Stiftungsfragen, die Investitionen für die Nationalparkportale, sowie Aktivitäten Dritter.

Die Stadt Bad Honnef ist die einzige der drei beteiligten Städte, die eigene Flächen in einen Nationalpark Siebengebirge einbringen kann. Nach der derzeitigen Planung liegen rund 360 Hektar des Stadtwaldes innerhalb der Prozessschutzzone. Mit der Einrichtung des Nationalparks würde die Bewirtschaftung dieser Flächen eingestellt werden und die mit der Bewirtschaftung verbundenen Einnahmen wegfallen. Hierfür würde die Stadt, nach dem letzen Stand der Verhandlungen mit dem Land, Entschädigungs- und Pachtzahlungen in Höhe von rund 54.000 Euro pro Jahr erhalten. Die weiteren 370 Hektar Wald, die nicht in einer Prozessschutzzone liegen, kann die Stadt Bad Honnef wie bisher selber weiter bewirtschaften. Bad Honnef behält ihren städtischen Forstbeamten, der auch Arbeiten für den Nationalpark übernehmen könnte. Für diese Tätigkeit würden die Kosten der Stadt Bad Honnef erstattet. Weiterhin wird es ab dem Jahr 2015 gegebenenfalls Entschädigungszahlungen für entfallende Jagdpachteinnahmen geben. Weiterhin würde der Verband Bürgernationalpark Siebengebirge anteilige Kosten der eingebrachten Fläche für Besucherlenkung, Verkehrssicherung, Naturschutz sowie Verwaltungskosten übernehmen. Nicht enthalten sind Kosten für ein mögliches kommunales Nationalparkportal. Für die Stadt Bad Honnef ergibt sich nach Aufrechung aller Posten ein Plus von 138.900 Euro pro Jahr.

Ein Plus von 138.900 Euro

Die Städte Bonn und Königswinter sowie der Rhein-Sieg-Kreis würden keine eigenen Flächen in den Nationalpark einbringen. Sie übertragen ihre bisherigen Ausgaben z.B. für Wegeunterhaltung und Naturschutzmaßnahmen auf den Verband. Jährliche Kosten entstehen ihnen durch den Mitgliedsbeitrag am Verband sowie durch Personalkosten durch die Mitarbeit am Verbandvorstand. Im Ergebnis müsste die Stadt Bonn 12.900 Euro und die Stadt Königswinter einen jährlichen Beitrag von 7.500 Euro für die Teilhabe am Nationalpark Siebengebirge leisten. Kosten entstünden dem Rhein-Sieg-Kreis durch den Mitgliedsbeitrag an den Verband in Höhe von 15.000 Euro, sowie Personalkosten durch Teilnahme an den Sitzungen der Verbandsgremien in Höhe von rund 12.000 Euro. Für den Rhein- Sieg-Kreis ergibt sich nach Aufrechnung aller Posten ein geringfügiges Plus von 3.300 Euro.
Der VVS besitzt rund 840 Hektar Waldund Offenlandflächen und unterhält derzeit ein Wegenetz von 85 Kilometern, 26 Schutzhütten, gesonderte Aussichtspunkte, kulturhistorisch bedeutsame Denkmäler und Erinnerungstafeln. Einnahmen erzielt der Verein derzeit beispielsweise durch Gebühren für Wegenutzungsrechte, Parkplatzgebühren oder der Vermietung des Grillplatzes am Nasseplatz. Dem stehen Kosten für beispielsweise Biotoppflege, Instandhaltungs- und Verkehrssicherungsmaßnahmen gegenüber. Da hier die Waldflächen schon vom Land angepachtet wurden sind insbesondere die Stilllegung der Laubholzflächen und Fragen der Jagdpachtentschädigung ab 2016 zu bewerten. Die Ergebnisse können daher nicht unmittelbar auf anderen Waldbesitz übertragen werden. Für den VVS ergibt sich nach Aufrechnung aller Posten ein Plus von 92.900 Euro pro Jahr.

Rechte vorgesehen

Private Waldparzellen bleiben im Eigentum der heutigen Besitzer und können wie bisher bewirtschaftet werden. Bei der Kostenbetrachtung sind die Aufwendungen für die Verkehrssicherung, die in einem Nationalpark künftig das Land NRW übernehmen würde, zu berücksichtigen. Für die Forstbetriebsgemeinschaft ergibt sich nach Aufrechnung aller Posten ein Plus von 36.800 Euro.
„Damit ist ein weiterer Baustein für den Nationalpark gelegt“, so Umweltdezernent Christoph Schwarz von der Kreisverwaltung. „Besonders für die beiden großen Waldbesitzer Bad Honnef und VVS würde sich die finanzielle Situation mit einem Nationalpark verbessern, und zwar nicht nur in absoluten Zahlen, sondern auch durch die Garantie einer gleichmäßigen Einnahme. Die neue Organisationsform als Bürgernationalpark gewährt zudem dem VVS, den privaten Waldbesitzern und den regionalen Gebietskörperschaften weitgehende Mitwirkungsrechte, vor allem bei der strategischen Ausrichtung und Steuerung des geplanten Verbandes Bürgernationalpark Siebengebirge“

Kommentare

2 Kommentare to “„Erstmals gibt es nun belastbare Aussagen“”

  1. Mario Hundsdörfer on Oktober 1st, 2009 11:38

    Über das Für und Wider eines Nationalparks wurde mit vielen Argumenten heftig diskutiert. Wer in den letzten Wochen im Siebengebirge spazieren gegangen ist, konnte die wahren (wirtschaftlichen) Gründe der Nationalparkgegener sehen: Berge von Holzstämme wurden abtransportiert und sorgen für einen satten Profit. Im Nationalpark wäre dies nicht mehr möglich gewesen. Also durfte der Nationalpark nicht kommen. Die wahren Gründe wurden verschleiert und dem Bürger die Folgen eines Nationalparks so schauerlich dargestellt, dass jedes kleine Kind dagegen sein musste. Die Selhof-Süd-Connection lässt grüßen…

  2. Jochen Kellerhof on Oktober 6th, 2009 13:10

    Dumm nur, dass der jetztige Holzeinschlag von genau jenen Personen geführt wird, welche man im Nationalpark zur Wahrung der Waldbestände einzusetzten gedachte.

    Auch während (manche anwohnenden Beobachter meinten sogar gerade während…!) der Phase, als der Nationalpark noch hätte kommen können, hätten jene, die dessen Hüter hätten werden sollen, nochmals besonders kräftig zugelangt bei der Buchenernte.

    Insofern ist Ihr Beitrag widersinnig!

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