Wild-Wochen im Chimära in der Bonner Altstadt

„Nationalpark Siebengebirge?“

Oktober 26, 2007

Wenn man mich fragen würde,was ich aufgrund meiner langjährigen Tätigkeit in den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts als Forstmeister und Oberforstmeister im und für das Siebengebirge
von der Ausweisung eines Nationalparks hielte, würde ich etwa wie folgt antworten:

SiebengebirgeDas Siebengebirge ist heute eine besonders eindrucksvolle und einmalig schöne Wald-Kultur-Landschaft inmitten einer der geschichtsträchtigsten und bevölkerungsreichsten Gegenden unserer Erde. Auf vielfältige Weise gestaltet von der Natur aber auch von Menschen und bislang in dankenswerterweise geschützt und erhalten von Menschen für Menschen! Es ist aber in keinster Weise das, was man sich landläufig unter einem Nationalpark vorstellt. Diese Landschaft bedarf dringend, wie schon unsere Altvorderen rechtzeitig erkannten und durchsetzten des besonderen und nachhaltigen Schutzes, wie er in den überlieferten und weiter entwickelten Formen des Naturschutzes und Naturparks erreicht wurde. Das heißt, aber nicht Konservierung um jeden Preis. Unaufhaltsam wirken die schöpferischen Kräfte von Natur und Kultur! Sie in harmonischem Einklang zu fördern und zu bewahren ist höchste und schönste Aufgabe des denkenden Menschen. Das gilt für Erhaltung, Gestaltung und möglicher Nutzung in vielfältiger Weise.

In dieser Gegend und an diesem Platze wird die Idee eine großräumigen Nationalparks seinem Anliegen nicht gerecht. Vielmehr bietet sich hier an dieser einmaligen von der Natur so begünstigten und immer noch vom Menschen kulturell beeinflussten Stelle die Idee des „UNESCO-Welterbes“ an. Als Alexander von Humboldt das Siebengebirge als „achtes Weltwunder“ bezeichnet haben soll, hat er dabei wohl sicherlich nicht nur an den Erhalt der Zipp-Ammer, des Steinflusskrebses, verschiedener Fledermäuse und an 726 Farn- und Blütenpflanzen gedacht. Beeindruckt hat ihn die einmalige Kulisse der Landschaft im romantischen, schon von alters her besiedelten Rheintal.
Fast zur selben Zeit, ich glaube so um 1808, hat Georg Ludwig Hartig, einer der großen forstlichen Klassiker und Mitbegründer der heutigen Forstwissenschaft und seit 1811 Chef der preußischen Forstverwaltung, bei einer Bereisung des Siebengebirges sich über den damals traurigen und verwahrlosten Zustand der Wälder und insbesondere des Waldes der Gemeinde Honnef als Muster eines unordentlichen Gemeindewaldes beklagt. Er äußerte abschließend sinngemäß „welch herrliche Wälder könnten hier bei ordentlicher Pflege zur Freude der Besucher und Wanderer und auch zum finanziellen Nutzen des Gemeindeetats wachsen“. Seitdem haben Generationen von Forstleuten auf der Grundlage standortskundlicher Erhebungen und langfristiger Forstplanung den Waldzustand – auch in den leider wiederkehrenden schweren Not-, Kriegs- und Nachkriegszeiten – nachhaltig und funktionsgerecht verbessert.

Allein das Wort „Nationalpark“ führt schon zur Begriffsverwirrung. Was heißt hier „National“ und was heißt hier „Park“? Es hat sich unter dieser Bezeichnung eine Vorstellung entwickelt, die dem eigentlichen Wortinhalt entgegen läuft. Hier geht es weder um einen Landschaftspark noch um eine zu pflegende und gestaltende Parklandschaft, sondern um eine großräumige möglichst urwüchsig zu erhaltende Wildnis, die zwar auch ihren hohen Eigenwert hat, aber doch in einem so dicht besiedelten Gebiet fehl am Platze ist. Hier ist der Mensch gefordert mit all seinem Wissen und Können und seiner Erfahrung, die Landschaft zum Wohle und zum Nutzen aller zu gestalten. Hier ist auch die hohe Kunst des Waldbaus gefragt, dessen Ergebnis auch der Allgemeinheit mehr dient als die Umwandlung in Totholzwälder!

Unsere Vorfahren und auch die heutige Generation haben für das Siebengebirge mit der Verhinderung der Steinbruchtätigkeit, der Unternaturschutzstellung, der Anerkennung als Naturpark, der Verleihung des Europadiploms, der Aufnahme in die Fauna/ Flora-Habitat-Liste, der Erfassung als nationales Geotop so viel erreicht, dass darüber hinaus die Ausweisung als „Nationalpark“ nur Verwirrung stiften würde. Alles spricht aber für eine Einbeziehung in das Weltkulturerbe oder das UNESCO-Welterbe. Das würde sowohl dem besonderen Charakter wie auch der Geschichte des Siebengebirges entsprechen. Schutz und Erhaltung all seiner Besonderheiten und auch seltener Arten gewährleisten, aber auch kulturelle und wirtschaftliche Nutzungen ermöglichen. So könnte auch der Stadt Bad Honnef als einer der größten waldbesitzenden Gemeinden vielfältiger Nutzen aus ihrem Eigentum erwachsen. Meine Antwort auf die Eingangs gestellte Frage lautet also: „Nationalpark“ nein,„Weltkulturerbe“ ja!

Wenn das Weltkulturerbe nicht zu verwirklichen wäre, sollte für das Kerngebiet des Siebengebirges ein strenger Naturschutz beibehalten werden . Für den großen Waldbesitz der Stadt Bad Honnef sollte man aber eine multifunktionale Nutzung als Wald-Kulturlandschaft anstreben, eventuell auch unter Berükksichtigung der Ideen des Waldzentrums der Universität Münster mit den Möglichkeiten einer Vermarktung von Ökopunkten oder sonstigen finanziellen bzw. wirtschaftlichen Nutzens für den Eigentümer. Aber ich wurde ja nicht gefragt! Das heißt, einige haben mich doch gefragt, und daher habe ich diese meine Auffassung zu Papier gebracht und bitte um Nachsicht, wenn ich mich in meinem Eifer für diese Sache ab und zu wiederholt habe. Jürgen Schoo

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