“Merkels Macht - auf den Spuren der Kanzlerin”
Dezember 29, 2007
Porträt von Stephan Lamby und Michael Rutz, Sendung: Mittwoch, 2. Januar 2008, 21.45 Uhr, Das Erste
Worauf beruht Angela Merkels Macht? Wie gelingt es der Kanzlerin immer wieder, selbst hart gesottenen politischen Gegnern Kompromisse abzuhandeln? Was treibt sie an? Und was ist der Preis für Ihre Art zu führen? Die Autoren Stephan Lamby und Michael Rutz haben die Kanzlerin über ein Jahr hinweg mit der Kamera beobachtet. Für ihre Dokumentation über Angela Merkel führten sie ausführliche Interviews mit politischen Gegnern und Weggefährten und mit internationalen Größen wie George W. Bush und Tony Blair. So bekennt sich der US-Präsident während des Gesprächs mit den Autoren zwar als “Merkel Fan” , relativiert jedoch gleichzeitig den vermeintlichen Erfolg der Kanzlerin beim Klimaschutz. Auf die Frage, ob er seine Position zum Klimaschutz verändert habe, entgegnet George W. Bush: “Nicht wirklich. Aber immerhin hat sie mich dazu gebracht, eine Strategie zu entwickeln, mit der Amerika sich gut fühlen kann” (Wörtlich: “Not really. I mean, I was glad, she highlighted the issue. And because she made climate change such an integral part of the G8 it caused me to come up - to devise a strategy that I thought America could be comfortable with.”) Die ARD-Dokumentation “Merkels Macht” nutzt außen- und innenpolitische Ereignisse, um die Machtstrategien der Kanzlerin zu deuten. Durch Interviews mit der Kanzlerin, ihren Freunden und Gegnern gelingt es den Autoren, Merkels Balanceakt zwischen einer Politik der “kleinen Schritte” , harten Entscheidungen und der Absicherung ihrer Macht zu zeichnen. Freund und Feind loben zwar Merkels Fähigkeit zuzuhören und in Konfliktsituationen nicht grob zu werden. Gleichzeitig hinterlässt ihr wachsendes Misstrauen Spuren, nicht nur bei Angela Merkel selbst. Die Fraktionschefin der Grünen, Renate Künast, meint, dass Angela Merkel alles ihrem Ziel unterordne, das Amt der Kanzlerin auszufüllen: “Das ist knallhartes Machtinteresse!” Merkel selbst sagt, sie sei bestimmt nicht gesprächiger geworden, da ihr jedes Wort mehrfach im Mund umgedreht werde. “Ich versuche so präzise wie möglich zu sprechen und so wenig wie möglich an Interpretationsspielraum zu lassen.”
Joschka Fischer zum Thema: Wie ich das Jahr 1968 und seine Folgen erlebte.
Dezember 29, 2007
Joschka Fischer, Ex-Außenminister, verdankt sein frühes Revoluzzertum Ende der 60er Jahren auch dem Rockpoeten Bob Dylan. “Als ich diesen Bob Dylan das erste Mal gehört habe”, sagte Fischer dem Tagesspiegel am Sonntag, “wuchs in mir das Gefühl eines weiten Landes, dieses: Lass alles hinter Dir!” Die Texte, so Fischer, habe er zwar damals nicht wirklich verstanden, umso mehr aber die Botschaft der Musik. “Das hat etwas in mir zum Klingen gebracht, etwas, das einfach nicht mehr kompatibel war mit Öffingen oder Stuttgart”. Fischer räumte ein, dass er seinen Eltern in jener Zeit viel Kummer bereitet habe. Sein Schulabbruch sei zu Hause als “die größte Katastrophe überhaupt” begriffen worden, seine Heirat im schottischen Gretna Green als “Akt der Rebellion”. Seine Sturm- und Drangzeit, die ihn unter anderem auch ans Fließband zu Opel geführt hat, sieht der frühere Außenminister durchaus kritisch. “Die Vorstellung, dass man unter den Bedingungen des Rechts- und Sozialstaates Bundesrepublik Deutschland eine Revolution machen könnte, die hatte mit der Realität nicht allzu viel zu tun”. Die so genannte 68er Debatte kommentiert Fischer eher ironisch: “Halten wir fest: Die 68er sind schuld an allem, auch, dass die “Bild”-Zeitung so ist, wie sie ist”.
Unter anderem sagte Joschka Fischer:
Über die Atmosphäre jeder Zeit in Deutschland: “Wenn Sie damals im Stuttgarter Schlossgarten auch nur den großen Zeh auf den Rasen gesetzt haben, kam innerhalb von Minuten garantiert einer, der Sie angeherrscht hat. “Könned Se net sähe, des isch verbode!” Es herrschte eine Stickigkeit, die man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann. Liberalere Eltern standen, wenn sie ihre Kinder mit Freundinnen oder Freunden zu Hause übernachten ließen, mit einem Bein im Gefängnis. Das galt als Kuppelei und war strafbar!”
Über sein Erweckungserlebnis mit Herbert Marcuses Büchern: “Das war der Widerstand des Einzelnen gegen eine Staatsgewalt, die gegen ihre eigenen Grundsätze handelte und sich deswegen delegitimierte. Die Kritik der repressiven Toleranz, das hat die entscheidende Rolle gespielt. Sie fragen sich jetzt bestimmt, wie wird ein Junge, der in einem katholischen Heimatvertriebenen-CDU-Milieu aufwächst, zum Linksradikalen? Gute Frage. Eigentlich hätte ich vom Milieu her eher in die Junge Union gepasst. So kam es aber nicht.”
Über seinen Versuch, durch Lesen die Welt zu verstehen: “Ja, ich habe damals fleißig angestrichen. Das “Kapital” natürlich oder Kant oder die “Phänomenologie des Geistes” von Hegel. Da würden Sie dann die Anmerkungen und Unterstreichungen eines Lernenden sehen, der verzweifelt versucht hat, einen Text zu durchdringen, der aber für mich nur schwer durchdringbar war. Ich habe 80 Prozent der “Phänomenologie” gelesen und festgestellt: Du hast nichts verstanden. Ich habe mich wirklich durchgequält, und dann habe ich das Buch zugeklappt und vorn angefangen. Es war ein Versuch, die Welt zu verstehen.”
Über die drei Nächte, die er 1968 im Gefängnis von Stammheim saß: Warum mussten Sie sitzen? “Wegen ungebührlichen Betragens vor Gericht. Ich bin nicht aufgestanden.” Was wurde Ihnen vorgeworfen? “Bei einer Demonstration gegen den südvietnamesischen Botschafter, der zu Besuch in Stuttgart war, haben wir uns, einige wenige Leute, im Hof des neuen Schlosses aus Protest hingesetzt, ohne zu wissen, dass es so was wie eine Bannmeile gab. Wir waren uns wirklich keiner Schuld bewusst, schon gar nicht, damit grundsätzlich die Staatsgewalt angegriffen zu haben. Landfriedensbruch war der Vorwurf.” In der linken Szene war es der Ritterschlag, im Knast gesessen zu haben. “Nee, nee.” Was war das für eine Erfahrung? “Ja, Gott, Spaß hat es nicht gemacht.”
Über die Vorwürfe, die 68er hätten gesellschaftliche Werte zerstört: “Wenn jetzt die Frage anstünde, ob man tatsächlich in die Zeit vor 68 zurückwollte, würde man auch dort mit großer Mehrheit dagegen stimmen. Selbst Kai Diekmann und Peter Hahne würden es in den deutschen Verhältnissen vor 68 nicht mehr aushalten!”
Über die Bemerkung von Otto Schily, Fischer sei eitel: “Da erweise ich mich als gelehriger Schüler meines Meisters Otto.”
Dieter Thomas Heck war am Samstag die Nr.1
Dezember 29, 2007
Mit der Gala zu seinem 70. Geburtstag war Dieter Thomas Heck am Samstag beim Gesamtpublikum noch einmal der Quotenkönig des Tages. Insgesamt 6,36 Millionen Zuschauer sahen am Samstagabend die hochkarätig besetzte Gala zum Geburtstag des ZDF-Urgesteins. Dem von Johannes B. Kerner moderierten Abend, dem im Übrigen ungewöhnlich viel Politprominenz beiwohnte, fiel es dann auch nicht schwer, die Konkurrenz hinter sich zu lassen. Abgesehen von der “Tagesschau” folgt RTL mit der “5 Millionen SKL Show” und 4,86 Millionen Zuschauern erst mit deutlichem Abstand. Der Triumph mit 20,3 Prozent Marktanteil beim Gesamtpublikum ließ sich erwartungsgemäß beim jungen Publikum nicht ansatzweise halten. Hier entschieden sich aber immerhin 970.000 14- bis 49-Jährige für die Geburtstagsgala des 70-jährigen Heck. Und der Marktanteil von 8,4 Prozent lag immerhin spürbar über dem Jahresdurchschnitt des ZDF von 6,6 Prozent beim jungen Publikum. Zusammen mit hervorragenden Sportquoten am Nachmittag und Vorabend erreicht das ZDF am Samstag auch sehr gute Tagesmarktanteile. 16,6 Prozent beim Gesamtpublikum und 9,3 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen sind klar überdurchschnittlich.
TV-JAHR 2007: Die großen Sender verlieren Marktanteile - Sehdauer nimmt ab
Dezember 29, 2007
Die großen Fernsehsender waren im Jahr 2007 die Verlierer - die kleinen die Gewinner. So lautet die TV-Bilanz der zurückliegenden zwölf Monate. Vor allem, weil es an großen Sportereignissen mangelte, verlor die ARD nach Marktanteilen von 14,3 auf 13,4 Prozent, wie eine am Freitag veröffentlichte vorläufige Auswertung der Zahlen der GfK-Fernsehforschung in Nürnberg ergab. Die großen Fernsehsender waren im Jahr 2007 die Verlierer - die kleinen die Gewinner. So lautet die TV-Bilanz der zurückliegenden zwölf Monate. Vor allem, weil es an großen Sportereignissen mangelte, verlor die ARD nach Marktanteilen von 14,3 auf 13,4 Prozent, wie eine am Freitag veröffentlichte vorläufige Auswertung der Zahlen der GfK-Fernsehforschung in Nürnberg (Stand: 27. Dezember) ergab. Auf Platz zwei landete das ZDF mit 12,9 Prozent (13,6 Prozent) vor dem privaten Marktführer RTL mit 12,4 Prozent (12,8 Prozent), Sat.1 mit 9,6 Prozent (9,8 Prozent) und ProSieben mit 6,5 Prozent (6,6 Prozent). Die dritten ARD-Programme kamen zusammengerechnet auf 13,4 (13,5 Prozent).



