„Ja, dat is Karneval“
Februar 8, 2010
HALT POL: Prunksitzung im komplett ausverkauften Kurhaus
Wenn die ehrwürdigen Senatoren der Traditionsgesellschaft als Zwerge mit Schneewittchen daher kommen, wenn Guido Cantz über seine ersten ehelichen Bettgeschichten philosophiert, wenn die Bläck Fööss über ihre tiefen Falten sinnieren, dann feiern die Pöler Karneval. Bei der ersten Prunksitzung im neuen Jahrzehnt übertraf sich der Präsident Jörg Pütz mit seinem Elferrat wieder einmal selbst. Vor voll besetztem Haus reihten sich die Programmhöhepunkte in atemberaubender Geschwindigkeit so gekonnt aneinander, dass auch in diesem Jahr wieder die brillante Handschrift des Literaten Jens Wilke zu erkennen war. Schon beim Einmarsch des Elferrates mit dem Reitercorps Jan von Werth hielt es die Jecken nicht mehr auf den Stühlen. Was dann folgte, das war kölscher Karneval pur: Guido Cantz, De Paveier, die Huusmeester vom Bundesdaach und die lebende Legende, eben de Bläck Fööss, die in diesem Jahr ihr 40stes Bühnenjubiläum feiern. Sie wurden frenetisch gefeiert. 40 Jahre und kein bisschen langweilig. Bye, bye my Love, bis zum nächsten Mal…Vielleicht, denn im kommenden Jahr findet am 23. Februar die Halt Pol-Jubiläumssitzung statt. Und: 2011 stellen die Pöler den Siebengebirgsprinzen. Prinz? Prinzenpaar? Dreigestirn? Wohl das bestgehütetste Geheimnis des noch jungen Jahres. Nach der Pause marschierte der Elferrat mit den Honnefer Stadtsoldaten ein, begleitet vom Siebengebirgs-Prinzenpaar aus Königswinter mit Gefolge. Ein noch nie gesehenes, ein grandioses Bild. Dann Bernd Stelter, um 33 Kilogramm erleichtert, „jetzt kann ich mein Kölsch nicht mehr auf dem Bauch abstellen…“, de Räuber, Kaafsäck und Auszug ins brodelnde Foyer des Kurhauses. Direktor Gerdes zapft um sein Leben. Und wie immer, wie immer nach einer Halt Pol Prunksitzung, Jahr für Jahr der gleiche Satz: „Eine Steigerung ist absolut nicht mehr möglich“. „Doch“, strahlt der Präsident: „Bis zum nächsten Mal… |bökö
Der Charmeur tritt ab
Februar 8, 2010
PARTNERSCHAFT: Egbert Krahé übergibt das Ruder
Egbert Krahé ist einer von 18 „Krahes“ in Bad Honnef aber der einzige Krahé mit einem „accent aigu“ auf dem e, ausgesprochen: Kraheee. Darauf legt er besonderen Wert, zumal im Rheinland die letzte Silbe ja ganz gern „verschluckt“ wird. Auch ansonsten ist Egbert Krahé selbst, und nicht nur sein Name, unvergleichlich. Er spricht sechs Sprachen fließend. Unter anderen auch finnisch, sicherlich eine der schwierigsten Sprachen auf dem Globus, wenn man nicht eben in Finnland aufgewachsen ist. Krahé ist ein Charmeur der alten Diplomaten- Schule. Damen, oder wie er gerne sagt, Mädels, begrüßt und verabschiedet er mit einem formvollendeten Handkuss, ohne die Hand jemals mit dem Mund zu berühren. Krahé ist unglaublich altmodisch. Er hat immerhin eine Schreibmaschine. Und ein Telefon. Das war’s. Kommunikation geht auch so. Ohne Computer. Als Berufsdiplomat, nach dem humanistischen Abitur einem Konsulatspraktikum in Bonn und zwei Staatsexamen, war der gebürtige Kölner, Jahrgang 1936, 40 Jahre lang „unterwegs“ im Dienste der Bundesrepublik Deutschland. Istanbul, Helsinki, Den Haag, Amsterdam, Antwerpen, Mailand und Bratislawa hießen einige der vielen Stationen seines Berufslebens. Als stellvertretender Botschafter wirkte er in Neuseeland und als Generalkonsul in Göteburg. Seit 1997 lebt „de kölsche Jung“, geboren im „Bad Honnef“ von Köln, im Nobel-Vorort Lindental, „sehr glücklich“ im „echten Bad Honnef“, dort wo er vor knapp 50 Jahren mit seiner damaligen Freundin und heutigen Frau „heftigst geflirtet hat,“ wie er sich im Gespräch mit der HWZ schmunzelnd erinnert. Seit der Gründung des Partnerschaftskomitee Bad Honnef - Ludvika war er Erster Vorsitzender. Vergangenen Dienstag gab er mit seinem Vize Gundolf Seidel und Schatzmeister Paul-Hubert Schneider den Stab ab an die nächste Generation. Darüber mehr in der kommenden HWZ.
bösARTig
Februar 8, 2010
Meine sehr verehrten Damen und Herren, Norbert E. der Zeitungsverkäufer m.V. hat gesagt, eine Kundin die die HWZ wahnsinnig gern liest, hätte gesagt, dass ich früher frecher gewesen wäre, und das hätte ihr so gut gefallen. Hochverehrte Leserin, nun bin ich sehr, sehr traurig. Gestern Abend hat der Haupt- und Finanzausschuss den Haushaltsplanentwurf 2010 beraten. Der Ergebnisplan sieht wie folgt aus: 36.709.051 Euro Einnahmen bei 42.512.280 Euro Ausgaben. Macht 5.803.229 Euro Miese. Lange Rede kurzer Sinn: Die Situation ist quasi einmal mehr eher unschön. Einsparungsmöglichkeiten sind nicht in Sicht, und erhoffte Ausgaben auch nicht mehr so wirklich. Mal kucken, wer jetzt die zahlreichen Winterschäden auf den Honnefer Straßen beseitigt und bezahlt. Das Aalkönigskomitee wird umdenken müssen: 4.000 Euro für die Weyermannallee, 3.000 Euro für die Luisenstraße, 8.000 Euro für die Alexander-von-Humboldt-Straße… Nun soll der Landrat dem drohenden Kollaps vieler Kommunen entgegen wirken. Schaun mer mal. Verwaltung und Parteien sind völlig aus dem Häuschen, vor lauter Freude, über die grandiose Beteiligung der Bürger am sogenannten Bürgerhaushalt. Sage und schreibe 213 Beiträge sind bei der Verwaltung eingegangen. Bei 18.000 Wahlberechtigten hier in dieser unserer Stadt ist das tatsächlich enorm. Beim nächsten Bürgerhaushalt sollten Sie auch mitmachen, das ist ganz einfach. Sie schauen vor ihre Haustür und sehen, nur mal beispielsweise, mit ihren Augen eine Pfütze auf ihrem Bürgersteig vor ihrem Heim. Sie melden das an die Verwaltung. Die Verwaltung berät. Der Ausschuss berät. Der Rat berät. Dann fällt die Entscheidung: Pfütze mit Splitt auffüllen.
Gesagt getan? Nein! Splitt kostet Geld, Geld hammer nit, Pfütze bleibt Pfütze. Der Bürgerhaushalt ist quasi der moderne Weihnachtsmann, und an den glaubt ja eh keiner mehr. Die Kommunen sind Pleite, das ist schlimm, aber zum Glück ist Dresden jetzt schuldenfrei. Das ist schön. Im Westen, ich glaube, das sagt man so, gehen die Lichter aus. Kein Geld für Schulen, Kindergärten, Kinderbetreuung, Erziehung. Mit der Aufarbeitung der Vergangenheit verbauen wir uns die Zukunft. Hut ab vor der Politik. Mein Herzschrittmacher bimmelt. Nur die Ruhe. Wo war ich stehen geblieben? Hier: Bei unserer nassen Miss aus dem Jahre 2005, die sich immer noch nicht nach mir umdreht. Blöde Kuh. Entschuldigung! Ist doch aber wahr. Ich wünsche Ihnen trotzdem einen tollen karnevalistischen Endspurt. Donnerstag ist Weibertag, mehr darüber in der nächsten Woche. Machen Sie’s gut, oder sogar besser…



