Wild-Wochen im Chimära in der Bonner Altstadt

Katastrophen und goldene Momente

März 1, 2010

RÜCKBLICK: Die Nullerjahre sind vorbei. Der Versuch einer Beschreibung. Heute das Jahr 2009 | Helmut Böndel |

Peter Profittlich feiert seinen 50sten GeburtstagPfarrer Herbert Breuer „seine“ 40 Jahre in Bad HonnefHIT Pütz und Kloss erhalten den Branchenoskar „Goldener Zuckerhut“die Jamaika-Koalition wird gegründetStabwechsel in der ParkresidenzGoldhochzeit bei Margarete und Juppi PützHelmut Brethauer mit Rollator zum 66stendas Aalkönigskomitee mit Königin Rosidie Gründung des Bündnis für FamilieAlle haben sich für den Inselspielplatz eingebracht90 Jahre Tabak Joestein Jahr Restaurant Picasso40 Jahre eine Stadt45 Jahre kfd80ster Geburtstag von Ernst Günter HansingVerdienstmedaille der BRD für Karl Günter Werberein Jahr la dee daein Jahr Anais Höffgen im Böllchenein Auto im SchaufensterGuiseppe Minecci übernimmt Markt3Flammen über ABBDas Jahr 2009 ist ja eigentlich noch nicht gar so lange her, trotzdem ist es nicht ganz einfach dieses Jahr, das letzte Nullerjahr, richtig aufzuarbeiten. Zu viel ist passiert. Quasi täglich überstürzten sich die Ereignisse. International, National oder regional. Am Anfang des Jahres hoffen wir alle: Yes, we can! Am Ende des Jahres wissen wir: Yes, we can not! 2009: Wir feiern 60 Jahre Bundesrepublik und 20 Jahre Mauerfall. Immerhin: Wir haben die Schweinegrippe überlebt und die Abwrackprämie, den Fast- Untergang der SPD und das Wachstumsbeschleunigungsgesetz, Tokio Hotel und die Klimakatastrophe. Das macht stark für die Zukunft. 2009 war das Superwahljahr: 15mal stimmten die Deutschen in diesem Jahr ab. Sie wählten den Bundestag, ihre Vertreter für das Europarlament, es gab eine Präsidenten-, fünf Landtags- und acht Kommunalwahlen. Es wurde um Opel und um die Steuern gefeilscht, über Truppen gestritten und das Klima zerpokert. In Bad Honnef bringen eine Handvoll frustrierter Rentner den geplanten Nationalpark zu Fall. Ein gebürtiger Honnefer ist der eigentliche, triumphierende Sieger der Bundestagswahl: Nach elf Jahren in der Opposition gelang Guido Westerwelle mit seiner FDP nicht nur die Rückkehr an die Macht. Seine Partei holte mit 14,6 Prozent auch das beste Ergebnis seit Gründung der Bundesrepublik. Für den einst von vielen als Spaßpolitiker und kalter Neoliberaler verachtete FDPChef eine große Genugtuung. Und ein Karrieresprung ganz nach oben: Als Vizekanzler und Außenminister trifft er nun die Großen der Welt und könnte sich daran machen, all die liberalen Versprechungen von Steuersenkungen und „mehr Netto vom Brutto“ in die Tat umzusetzen. Heute, knapp 120 Tage nach der Wahl wissen wir, Westerwelle kann seine Wahlversprechen nicht einhalten. 2009 war das Jahr der Lügen. Nicht nur die Politik hat die nur noch ganz wenigen Wähler betrogen. Die großen, übermächtigen Wirtschaftsbosse werden nach und nach entsorgt, fast geächtet. Gut so, ihr Größenwahn hat die Wirtschaftswelt in die Knie gezwungen. Michael Jackson, der King of Pop, ist Elvis, dem King of Rock, gefolgt. In Bad Honnef wird um Heinz Ludwig Städter getrauert, den langjährigen Vorsitzenden des Kur und Verkehrsvereins und um Günter Fölsing, seinen Nachfolger. Inzestfälle und Amokläufe erschüttern die Welt. In Köln stürzt das Stadtarchiv ein: Pfusch am U-Bahn- Bau. Bei der Kommunalwahl wählen 3.374 Honnefer Bürger die CDU, 2.044 (SPD), 1.897 (Bürgerblock), 1.277 (FDP), 1.058 (Grüne), 903 (Freie Wählergemeinschaft). CDU, FDP und Grüne gründen die Jamaika- Koalition. Peter Endler gibt den FDP-Fraktionsvorsitz an Rainer Quink ab. Guiseppe Minecci eröffnet das Restaurant Markt3 neu, Anais Höffken wird Wirtin im Böllchen. Die erste Aalkönigin der Neuzeit heißt Rosi Mittermaier. Zeitschriften Landsberg in Selhof schließt. 2009 – ein Wechselbad der schönen und unschönen Ereignisse. Die Katholische Kirche verhindert fast den Martinimarkt mit plötzlichen Gebührenforderungen. Dennoch: Es wird 2009 auch kräftig gefeiert in Bad Honnef: Der Honnefer Fußballverein wird 90 Jahre alt, Spieler a.D. Willi Lemmerz eben so und auch Tabak Joest am Marktplatz, genannt Eimermacher. Margarete und Juppi Pütz feiern im Kurhaus ihre goldene Hochzeit, Helmut Brethauer wird 66 Jahre alt, Brigitte Mohr wird 60 Jahre jung und Peter Profittlich feiert seinen Fünfzigsten. Ein Ding der Unmöglichkeit schafft der Stadtelternrat. Ein Jahr lang ziehen die Mitglieder von Veranstaltung zu Veranstaltung und sammeln für die Erneuerung des Spielplatzes auf der Insel Grafenwerth. Das Wunder geschieht: Ende 2009 kann ein Schmuckstück von Spielplatz eröffnet werden. Ein brillantes Meisterstück in Sachen Bürgerinitiative. Zum Schluss ziehen dunkle Rauchschwaden über die Stadt hinweg: Schwerer Brand in der Transformatoren- Fabrik ABB.

bösARTig

März 1, 2010

Meine sehr verehrten Damen und Herren, Guido W. hat seine Memoiren verfasst: In 100 Tagen um die Welt, oder: vom Außenminister zum Außenseiter. Scherz! So, die Karnevalssession ist vorbei, die Session im Rathaus beginnt. Wir fassen noch einmal zusammen: Irgendwann hat Frau Bürgermeisterin einen Beamten des Hauses zum Wirschaftsförderer befördert, obwohl Frau Bürgermeisterin, wie ihre Vorgänger auch, Wirtschaftsförderung zur Chefsache erklärt hat. Wir haben nun de facto zwei Wirtschaftsförderer. Aber das ist nicht genug. Unser greiser…Entschuldigung, da hab ich mich aber ganz dolle verschrieben… unser weiser Rat hat befohlen, dazu noch eine Wirtschaftsförderungsgesellschaft zu gründen. Und nun wird wieder auf gut honnefsche Art herum gewurschtelt, wohl wissend, dass das mit der Gesellschaft nicht klappen wird, weil: Keine Kohle. Und die einzige Wirtschaftsförderungsgesellschaft die wir haben, unseren Centrum e.V., der sich immerhin ganz prächtig um die Innenstadt kümmert, der wird in die Überlegungen erst gar nicht mit einbezogen. Und ich sage es gerne zum 1.000sten Male: Wirtschaftsförderung beginnt mit Parkplätzen auf dem Marktplatz und in den Kneipen der Stadt. Wie dem auch sei, unsere arme Verwaltung soll nun einen Umsetzungsfahrplan vorlegen. Darauf wird stehen: „Der Zug hat leider 10 Jahre Verspätung. Wir bitten um Verständnis.“ Und noch ein Dauerbrenner kommt wieder auf den Tisch des Rathauses: Die Drieschweganbindung, die unsinnige, aber auch vom Rat befohlene. Nun, Jahre nach den heftigen Streits um diese Maßnahme bittet der Verkehrsausschuss um Zahlenmaterial von der Verwaltung. Es läuft also alles darauf hinaus, dass das nix wird mit der Drieschweganbindung zur B 42. Aber gut, dass wir jahrelang drüber gesprochen haben. Ich war eben im Städtchen und habe mit dem Marketingfachmann m.V., Mischael Köjer, einen Kaffee getrunken. Zum ersten Mal in diesem Jahrzehnt draußen. Damit haben wir quasi die Biergartensaison 2010 offiziell eröffnet. Und was mussten wir hören? Versuchter Einbruch in einen Tabakladen, versuchter Einbruch in ein Blumengeschäft und ein Einbruchversuch in einem Sportladen am Marktplatz. Nix los hier im kuscheligen Bad Honnef, sagt unser Polizeipräsident immer so schön. Na ja. Kommen wir zu einer neuen Bürgerbeteiligung. Die Verwaltung möchte mit uns BürgerInnen ein neues Einzelhandelsstandort- und Zentrenkonzept besprechen. Am Dienstag, 2. März, ab 19 Uhr im Rathaus. Ich blättere eben durch die aktuellen Rathaus- Vorlagen, ob ich da noch was lustiges finde. Hier: Nach dem Leidbild 2010 liegt nun das Kreisentwicklungskonzept 2020 auf dem Tisch. Die Verwaltung wird dies bei ihrem zukünftigen Handeln zugrunde legen. Und nun folge ich nur noch der traurigen Chronistenpflicht: Am Montag nahmen Ermittler der Bonner Mordkommission einen 74jährigen Selhofer fest. Ihm wird vorgeworfen, seine 73jährige Ehefrau in ihrem gemeinsamen Haus getötet zu haben. Der Haftrichter erließ am Dienstag einen Untersuchungshaftbefehl wegen Mordes. Zuvor wurde seine 73jährige Frau von einem Angehörigen leblos in ihrem Einfamilienhaus aufgefunden. Der herbeigerufene Notarzt konnte nur noch den Tod der pflegebedürftigen Seniorin feststellen. Nach intensiven Ermittlungen und dem Ergebnis der Obduktion gehen die Beamten von einem Tötungsdelikt aus.