Küfer Jupp: Mensch. Kneipe. Kultur.
Mai 30, 2011
Geburtstag: 20 Jahre mit Regina Dinkela-Liebetrau und Gabi Kempen




Man schrieb das Jahr 1689. Französische Truppen nahmen Honnef ein. Sie plünderten den Ort und brannten ihn nieder. Nur einige Häuser haben die Attacke überstanden. Eins davon steht heute in der Rommersdorfer Straße 24: Küfer Jupp.
Zeitsprung. 1935 zieht Josef Becker mit seiner Frau Magdalene in das Haus ein. Das Toilettenhäuschen stand auf dem Hof und Magdalene sagte zu ihrem Mann: „Ich ziehe hier nur ein, wenn du eine Toilette im Haus einbaust“. Daran erinnert sich heute Tochter Otti Jonas, geborene Becker. Die Beckers wohnten mit ihren Kindern in dem Haus. Im Hof entstand eine Werkstatt denn Josef Becker war Küfer. Er stellte Holzfässer her. Ein handwerklicher Beruf mit einer 2000 Jahre alten Tradition. 1935 gab es 15 Winzer in Honnef, der „Küfer Jupp“ hatte gut zu tun. Außerdem stellte er für die damals blühende Marmeladenherstellung Behälter her. Otti Jonas: „Durch diesen nicht so weit verbreiteten „kriegswichtigen“ Beruf musste mein Vater nicht an die Front, da er eben für die Lieferanten der Wehrmacht Fässer herstellen musste“. In den Fünfziger Jahren, als der Siegeszug von Kunststoff nicht mehr aufzuhalten war, wurde der Bedarf an Holzfässern immer geringer. Josef und Magdalene richteten im unteren Bereich des Hauses, der bis heute nahezu unverändert ist, eine Straußwirtschaft ein. Es entstand „Die Gaststätte zum Küfer Jupp“. Auf einer Postkarte aus der damaligen Zeit steht geschrieben: „Beim Jupp schau niemals auf die Uhr, ins Glas schau lieber öfter nur. Wir trinken noch ’ne Flasche Wein, dröm leeve Jupp, schenk nochmal ein“. Otti Jonas: „Die Leute haben sich sehr wohl gefühlt. Mein Vater war ein großer Weinkenner, ein sehr feinsinniger Mensch. Meine Mutter war dagegen voller Energie und Tatendrang. Ein Temperamentsbündel.“ Und: „Sie machte den besten Kartoffelsalat weit und breit. Die Leute kamen aus dem ganzen Ort vorbei, um sich Abends ein Schüsselchen davon abzuholen“. Aus der Straußwirtschaft wurde im Laufe der Zeit ein Restaurant, mit einem guten Ruf bis hin nach Köln. Neben dem Beruf engagierte sich Josef Becker als Bereitschaftsführer beim Honnefer Roten Kreuz, Magdalene Becker war in der kfd aktiv. 1974 wurde das Gasthaus verpachtet. Die Beckers zogen zu ihrem Sohn Richard und bis 1991 gingen die Pächter ein und aus. Die Legende sagt, dass zeitweise sogar Düsseldorfer Altbier im Ausschank war.
1991 beginnt die Geschichte der Küfer Jupp-Neuzeit. Regina Dinkela-Liebetrau und Gabi Kempen übernehmen die älteste Gaststätte der Stadt. Am 4. Juni wird daher dieser 20ste Jahrestag ab 20 Uhr gebührend gefeiert. In Erinnerung an den „Fassmacher“ ist es für die beiden Inhaberinnen selbstverständlich, dass das Bier nicht aus einer Zapfanlage fließt, sondern immer frisch aus einem hölzernen Pittermännchen. Bevor Regina Dinkela-Liebetrau selbst das Regime übernahm, war sie schon bei drei Vorgängern im Service tätig. Sie wusste also worauf sie sich einließ, „ich habe es niemals bereut“, sagt sie und schwärmt von ihren Stammgästen. „Die, angefangen von Kommunalpolitikern, egal ob schwarz, rot oder grün, Doppelkopf- oder Uno-Runden, Sportler vom Leichtathletik- oder Basketballverein, bis hin zu den Mitarbeitern des Malteser Hilfsdienstes kommen gerne in unseren gemütlichen „Küfer Jupp“. Gemütlich im Winter, wenn der alte Kohlenofen angeschmissen wird, und im Sommer im lauschigen Biergarten.“ Viele der Stammgäste betrachten den Küfer Jupp als ihr zweites Wohnzimmer. So verpassten kürzlich 20 freiwillige Helfer dem vergilbten Küfer ein neues Outfit in frischen Farben weiß-rot und grau. Wo vor Jahren die handbemalten Wände Motive von Rhein- und Mosellandschaften zeigten, hängen nun Originale vom Honnefer Künstler Alois Hanslian, worauf er die Stammgäste in verschiedenen Szenarien verewigt hat. „Jeden Abend ab 20 Uhr, ohne Ruhetag, öffnet die Kneipe ihre Türen und Alt wie Jung geben sich die Klinke in die Hand. Nicht selten endet ein ganz normaler „Feierabend“ beim Küfer Jupp in einer Spontan-Party. Besonders gut besucht sind die traditionellen Halloweenund Maipartys, ganz zu schweigen von den Karnevalspartys, wobei das ehrwürdige Gemäuer stets erzittert aber immer überlebt.“ Dankbar sind die Jubilare allen Mitarbeitern, „die super mit uns an einem Strang ziehen, allen Nachbarn, die kommentarlos unseren Krach ertragen, und vor allem den Gästen, die uns über 20 Jahre die Stange halten“.
bösARTig
Mai 30, 2011
Meine sehr verehrten Damen und Herren, in einem Leserbrief auf Seite 6 hat mir unsere verehrte Leserin Ursula Voll eine Frage gestellt, die ich gerne ausführlich beantworten wollte, aber die Aktualität fordert ihren Raum. Daher nur soviel: Ich glaube. An eine Kraft dort irgendwo im Universum, die mich, quasi uns alle, lenkt, bestraft oder belohnt. Uns zuweilen auf einen guten oder schlechten Weg bringt. Ohne Glaube geht gar nichts, denn Glaube ist ja auch irgendwie so etwas wie Hoffnung oder Optimismus. So. Das Rosenfest steht vor der Tür, ebenso wie Kontrolleure, die in Kneipen und Restaurants noch einmal auf den Nichtraucherschutz hinweisen wollen und bei Bedarf Verwarnungen aussprechen werden, bevor sie dann Knöllchen verteilen. Auch in NRW soll die Gastronomie absolut rauchfrei werden. Und wo wir grad bei meiner geliebten Gastronomie sind, ab 2012 wird all überall an den Restauranttüren die sogenannte „Restaurant-Ampel“ kleben. Rot – nicht reingehen, Gelb – eventuell reingehen, Grün – reingehen. Ich halte das für kompletten Unsinn. Weil: Es soll die Hygiene in den Küchen überprüft und bewertet werden. Sonst nichts. Diese Kontrollen finden auch heute schon statt. Was im Kühlhaus oder in den Regalen lagert, das wird nicht überprüft. Und gerade das finde ich viel wichtiger. Eine Küche kann man schnell mal putzen. Mich interessiert doch viel mehr, ob das Fleisch im Kühlfach auch richtig saftig frisch ist. Aber sei’s drum. Ich habe Anfang der Woche einige Restaurantküchen inspiriert, alles tadellos. Grüne Welle in der Honnefer Gastronomie. Der Stoff- und Tuchmarkt am vergangenen Wochenende hat wieder alle Aussteller und Einzelhändler glücklich gemacht. Umsatzmäßig, wenn Sie wissen, was ich meine. Am kommenden Wochenende heißt es dann „Rosenfest“. Ein verkaufsoffenes Wochenende auf Rosen gebettet, mit Rosenkönigin, Prinzessinnen und geballter Action rund um den Marktplatz. Das komplette Programm lesen Sie in der kommenden Ausgabe der HWZ. Wie Sie auf dem Titel dieser Ausgabe eventuell erkennen können, habe ich ein wenig recherchiert, um dem „Küfer Jupp“ auf die Spur zu kommen. Wenn’s um die Geschichte der Stadt geht, schlendert man natürlich bei Dr. Werber in seiner Buchhandlung vorbei, schildert sein Anliegen, und der sagt dann mit absoluter Treffsicherheit, wo was zu finden ist. Beispiel „St. Anna“ in einer der letzten Ausgaben: „Die Fotos finden sie oben rechts im dritten Schreibtisch in der zweiten Schublade von unten“. Volltreffer! Und Küfer Jupp? „Darüber habe ich gar nichts“. Ich war einigermaßen geschockt. Gar nichts! Auch in den vielen Büchern über die Historie des Ortes habe ich nichts gefunden. Nichts über eines der ältesten Häuser dieser Stadt. Zum Glück hat mir Otti Jonas, die Tochter vom Küfer Jupp, ausgeholfen. Danke Otti! Wir suchen allerdings jetzt noch Zeitzeugen, die uns sagen können, was mit dem Haus zwischen 1689 und 1935 passiert ist. Also: Bitte melden! Apropos Buchhandlung Werber: Ich bin von jetzt auf gleich wieder zu einer Leseratte geworden, so, wie vor dem Internetzeitalter. Dank Simon Beckett. Seine Thriller rauben einem im wahrsten Sinne des Wortes den Atem. Ich sage „Ja“ zum Buch. Ende der Durchsage! Tschüss…



