Jeden Samstag und Sonntag Frühstück im Chimära in der Bonner Altstadt

Hinter den Kulissen des Martini-Marktes

Oktober 31, 2011

SHOWDOWN: Die erfolgreichste Großveranstaltung der Stadt steht vor einer Zerreißprobe

Michael Schuch (l.) beliefert seit 15 Jahren den Martini-Markt mit seinen Buden.Jürgen Kutter, Georg Zumsande, Peter Profittlich, Walter Löbach bei der Markt-Eröffnung.Hinter den Kulissen des Martini-MarktesDer Martini-Markt gehört zweifelsfrei zu den Erfolgsgeschichten in Bad Honnef. Seit 15 Jahren findet er statt, seit 15 Jahren wird er mit den Holzbuden von Michael Schuch bestückt. Tradition. Eine Tradition allerdings, die offensichtlich kurz vor dem Ende steht. Der Knatsch begann bereits vor zwei Jahren. In der Übergangszeit auf der Veranstalterseite vom Stadtforum zum Centrum e.V. In dieser Zeit, kurz vor dem damaligen Martini-Markt, lag plötzlich eine Gebührenordnung des Kirchenvorstandes auf dem Tisch. Für die Nutzung des Kirchplatzes sollten 2.500 Euro bezahlt werden. Ein völlig normaler Vorgang für Kirchenvorstand Hermann Schlagermann. „Wir haben die Organisatoren des Marktes frühzeitig auf diese Nutzungsordnung hingewiesen“, hieß es. Das wurde vom Stadtforum, dem damaligen Veranstalter, bestritten.

Michael Schuch, Inhaber der Buden und Mitveranstalter, lehnte die Nutzungsordnung ab: „Unakzeptabel“. Schuch: „Für mich gehört die Anbindung an die Kirche zum einzigartigen Flair des Martini-Marktes“. So drohte 2009 dem Martini-Markt ein jähes Ende. Zum Glück siegte die Vernunft aller Beteiligten und es wurde ein Kompromiss gefunden. 2010 das gleiche Spiel. 2011 bleibt der Kirchplatz leer. Die Fronten sind versteinert. Centrum e.V. spricht nicht mehr mit dem Kirchenvorstand und umgekehrt. Bürgermeisterin Wally Feiden als Vermittlerin kann die Wogen nicht glätten. Der Martini-Markt muss auf die Bahnhofstraße ausweichen, mit dem Ergebnis, dass die Stadt für zehn Tage quasi komplett gesperrt ist. Zustände, die Michael Schuch nicht wirklich fröhlich stimmen. „Ich glaube, das ist mein letzter Martini-Markt in Bad Honnef“.

Aber das ist noch lange nicht die ganze Geschichte. Der Kirchenvorstand schließt in aller Eile einen Vertrag mit einem externen Veranstalter ab, der den Kirchplatz bestücken soll. Dieser Veranstalter rückt am Montag auf dem Kirchplatz an und beginnt mit dem Aufbau. Ohne jedoch die Rechnung mit der Stadtverwaltung gemacht zu haben. Die erteilt keine Genehmigung. Eine kleine Befriedigung für Schuch. Eine winzig kleine. Denn: Auch zwischen Schuch, Jürgen Kutter und Georg Zumsande vom Centrum e.V. knirscht es mächtig im Gebälk. Nach 15 Jahren vielleicht ein ganz normaler Vorgang. Der Martini-Markt ist über viele Jahre zu einer der erfolgreichsten Veranstaltungen in der Stadt aufgebaut worden. „Dies war in den Anfangsjahren nicht immer einfach. Hier ist viel Engagement, Herzblut, Zeit und auch Geld investiert worden, um für Bad Honnef einen Imageträger zu schaffen und um Wirtschaftsförderung für die ansässigen Geschäfte und für die Gastronomie zu betreiben“, so Zumsande. Eine solche Veranstaltung aufzubauen erfordere Jahre, sie kaputt zu machen, nur wenige Tage. Einige Honnefer Unternehmer wollen keine Buden mehr vor ihren Schaufenstern sehen. Einige Honnefer Unternehmer beklagen sich darüber, dass Schuch ihnen keine Buden vermietet. Einige Aussteller verbreiten das Gerücht: „2012 wird es keinen Martini-Markt mehr in Bad Honnef geben“.

Eitel Sonnenschein sieht sicherlich anders aus. Zumsande aber beruhigt: „2012 wird es einen Martini-Markt in Bad Honnef geben, ob mit oder ohne Schuch. Das wird sich schon bald in einem Gespräch zeigen. Wir haben vielversprechende Kontakte zu anderen Budenherstellern aufgenommen. Frischer Wind wird der Sache sicherlich ganz gut tun“. Schuch: „Ich habe Anfragen aus mehreren Städten, die den Martini-Markt, so wie er hier ist, sofort übernehmen wollen“.

Der Eröffnungstag: Eitel Sonnenschein im wahrsten Sinne des Wortes. Die Sonne lacht über dem ersten vorweihnachtlichen Markt in der Region. Vize-Bürgermeister Peter Profittlich begrüßt die erstaunlich zahlreichen Besucher. Stündlich berichtet der WDR in seinen Nachrichten über den Zoff mit der katholischen Kirche. Kutter, Zumsande und Schuch geben sich die Hand. Aber: Für das offizielle Markt-Eröffnungsfoto mit dem Bürgermeister steht Schuch nicht bereit. Zum ersten Mal in 15 Jahren. |bö

bösARTig

Oktober 31, 2011

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich weiß nicht mehr so ganz genau, wer es gesagt hat, aber es stimmt: „Wir müssen an einem Strang ziehen, um zu überleben“. Dieser Strang ist wieder einmal Thema in der Stadt. Und der Strang heißt ganz aktuell „Martini-Markt“. Vorab: Stadtfeste sind nicht in Bad Honnef erfunden worden. Jede Stadt, sogar in Bayern, feiert Stadtfeste. Und die dienen nicht nur der Belustigung der Besucher, nein, sie dienen der Umsatzsteigerung. Und die ist lebensnotwendig in der heutigen Zeit. In einer Zeit in der Innenstädte, wie beispielsweise in Linz oder Königswinter, regelrecht verkommen, wenn Sie wissen was ich meine. Wenn ich heute durch Bad Honnef gehe, ich muss das tun, weil es keine Parkplätze für mein Kraftfahrzeug mehr gibt, dann freue ich mich. Warum? Als ich vor gefühlten 100 Jahren, real sind es 11 Jahre, nach Bad Honnef kam, weil ich ganz einfach nichts besseres vorhatte, da hieß es: „Wir müssen etwas gegen den Leerstand unternehmen, die Innenstadt blutet aus“. Heute gibt es quasi keinen Leerstand mehr. Weder in der Hauptstraße, noch in der Bahnhofstraße, noch in der Linzer Straße. Sogar das Arboretum ist wieder komplett besiedelt. Unternehmer kommen nach Bad Honnef, um hier ihre Existenz aufoder auszubauen. Warum? „Wir haben uns vergleichbare Städte angeschaut, Bad Honnef machte den besten Eindruck“, heißt es oft. Darauf können wir alle stolz sein, schließlich wohnen wir hier. Aber: Der Martini-Markt kommt in die Stadt, jährlich der Umsatzbringer Nummer 1, die Kirche stellt sich quer gegen das Allgemeinwohl aller Unternehmer und Bürger, und einige Unternehmer wollen keine Buden mehr vor ihren Schaufenstern sehen. Sie verstehen das Geschäft nicht: Durch die Buden kommen Gäste in die Stadt und damit der Umsatz. Umsatz ist der dickste Strang, an dem wirklich alle ziehen sollten, wenn wir nicht so enden wollen wie Linz oder Königswinter. Die Eröffnung des Honnefer Martini-Marktes wurde live vom WDR übertragen, es ist daher davon auszugehen, das es am kommenden Wochenende zu einem noch nie dagewesenen Verkehrschaos kommen wird, dank der Sperrungen und Baustellen. Aber: Ruhig Blut! Im Sinne der Sache ist das völlig egal. Die paar Tage werden wir überleben. Jetzt fällt mir nichts mehr ein. Ich schaue mal eben…noch 1.000 Buchstaben. Schreiben ist die Hölle, sage ich Ihnen. Wäre ich doch Architekt geworden. Kein Schwein ruft an. Also ein Witz: „Die Jungfrau Maria will mal wieder auf die Erde zurück. Sie wird auch heruntergelassen, aber nur unter der Bedingung, dass sie jeden Abend mit einem iPhone im Himmel anruft. Gesagt, getan. Am ersten Abend ruft die Jungfrau Maria im Himmel an: „Hier ist die Jungfrau Maria. Ich habe mir einen Rock gekauft. Ist das schlimm?“ – „Nein, nein, ist nicht schlimm. Aber melde dich morgen Abend wieder.“ Nächster Abend: „Hier ist die Jungfrau Maria. Ich habe mir einen Lippenstift gekauft. Ist das schlimm?“ – „Nein, nein, ist nicht schlimm.“ Nächster Abend: „Hier ist die Maria. Ist das schlimm?“ Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende auf dem Martini-Markt…