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bösARTig

Juni 30, 2009

Es ist Donnerstag, 16.30 Uhr, ich bin völlig unterhopft und daher halbschlecht gelaunt. Standort: Ziepchensplatz vor dem Café Profittlich, Drehort für eine Szene der ZDF-Serie SOKO Köln. Das Kamera-Team sollte um 14 Uhr aufschlagen, alle Parkplätze rund um den Platz sind für das Team reserviert. Helmut Brethauer kümmert das nicht sonderlich, er muss ein kaltes Buffet für 150 Leute ausliefern. Ein wichtig aussehender Mensch der Produktionsfirma kommt daher: „Auf gar keinen Fall mit Blitz arbeiten“, sagt er. Wir versprechen ihm das. Peter Profittlich schaut nach dem Rechten. Vom Kamera- Team nichts zu sehen. Aber: Acht wichtige Menschen wuseln auf dem Platz herum. Alle haben ein Handy am Kopf. Ein Fahrzeug wird präpariert. Ein Produktionsmensch hämmert auf dem Zigarettenautomaten herum. Er hat vier Euro eingeworfen. Aber die Zigaretten kommen nicht raus. Rhöndorfer Bürger schauen zum Himmel herauf. „Es könnte Regen geben.“ Apropos: Am Sonntag wird am Ziepchensplatz ab 11 Uhr gefeiert. Dann wird der Wein-Lehrberg offiziell eingeweiht und die Renovierung des Pavillons gefeiert. Oh, der Herr Profittlich kommt an den Pressetisch. Mit einem Stapel Unterlagen. Herrjemine. Am Sonntag kracht’s ja richtig, am beschaulichen Platze. Gefeiert wird dort auch: 165 Jahre Ziepchensbrunnen, 100 Jahre Ortsverein Rhöndorf, 60 Jahre „neuer“ Ziepchensbrunnen, 54 Jahre Musikpavillon und 50 Jahre Ziepchensplatz. Hier: Herr Profittlich wird einen Vortrag halten. Thema: „Vom Weinberg und Gemüsegarten zum Dorfmittelpunkt“. Zurück zur Gegenwart. Ein Fahrzeug braust heran. Der Fahrer springt heraus, und schnappt sich den Konditor …nein, nicht den Profittlich, einen Schauspieler…wirft ihn zu Boden, prügelt auf ihn ein und ruft „Du Schwein“. Klappe. Die Trockenprobe, quasi. Die Regisseurin sagt: „Wir drehen jetzt noch zwei Stunden. Dann haben wir die Szene im Kasten.“ Ein Buffet wird angerichtet. Das Team hat Hunger. Die Szene wird wiederholt und wiederholt. Immer mit neuen Kameraeinstellungen. Endlich: Werner Ebeling spendiert ein Kölsch. Er sagt: „Bösartig ist großartig“. Ich sage: „Stimmt“. Meine Unterhopfung lässt nach. 18 Uhr. „Wir drehen – Ruhe bitte“! Ein weiteres Fahrzeug braust heran, eine Frau springt heraus und brüllt: „Auseinander“! Dabei schießt sie mit einer Pistole in den Abendhimmel. Peng! Ein Rhöndorfer Bürger flüstert ehrfurchtsvoll: „Das ist die Kommissarin.“ Klappe. Die Kommissarin muss nachgeschminkt werden. Wann diese SOKO-Folge ausgestrahlt wird, steht noch nicht fest, wir werden ihnen den Termin natürlich rechtzeitig mitteilen. Herr Profittlich und ich wechseln den Standort. Im Hause Walkembach wird ein Bulthaup-Küchenstudio eingeweiht. .So, zurück zur gnadenlosen Wirklichkeit. Über den geplanten Nationalpark und das anstehende Bürgerbegehren konnte ich mich nicht auslassen, weil es in dieser Ausgabe so richtig eng zu geht,obwohl wir schon zwei Seiten mehr gemacht haben.Aber,das ist quasi auch ganz gut so, denn die Vorgehensweise der Nationalparkgegner halte ich für mehr als bedenklich. Und ich kann halt Typen nicht ab,die immer lauter werden, wenn ihnen die Argumente ausgehen. Wie den Sprecher dieser Initiative. Egal. Tschüss zusammen…

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