Wild-Wochen im Chimära in der Bonner Altstadt

bösARTig

März 29, 2010

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ein schlauer Mensch, ich glaube das war ich, hat einmal gesagt: Eine Zeitung lebt. Soll heißen, was kümmert mich mein Geschwätz von gestern. Wenn wir Montags mit unserem Team, inklusive Betreuerinnen, Notärzten und Reinigungshilfen, das Blatt planen und die Themen fest legen, ist das immer sehr gemütlich. Aber wir wissen: Wenn am Freitag die Zeitung erscheint, ist von den Montagsthemen nicht mehr viel übrig geblieben. Früher war das anders. Da konnte man schön planen, oder gar ein paar Tage lang recherchieren. Heute geht das so: Das iPhone vibriert, Paul Kuhnert (Name geändert) ist dran und spricht: „Duhuu, wir haben in zwei Stunden eine schöne Aktion am Rheinufer, könntest gut was drüber schreiben und Fotos machen.“ Hallo? Lange Rede kurzer Sinn: Planungen werden quasi stündlich über den Haufen geworfen. Darunter leidet natürlich in erster Linie unser hochverehrter Grafiker Ralf Kolmsee, der immer wieder seine begnadeten Layouts umschmeißen muss, ohne dafür ein entsprechendes Salär zu erhalten. Dafür lade ich Herrn Kolmsee permanent zum Essen ein, aber der kocht lieber selber. Ganz schwere Situation! Hier kommt eine unangemeldete Mail: Mein Töchterchen schreibt aus Argentinien. Ha! Es schüttet in Buenos Aires. Die Straßen verwandeln sich in reißende Ströme…herrlisch. Und hier: Gestern war sie unterwegs in der Stadt mit ihrem Leihwagen. Sie steht an der Ampel, neben ihr ein Polizeiwagen mit zwei feschen Latinos. Die Ampel ist Rot. Argentinier fahren immer bei Rot los. Weil sie genau wissen: gleich wird’s grün. Meine Tochter fährt also bei Rot los, in dem Moment springt die Ampel ordnungsgemäß auf Grün, alles gut soweit, die Bullen fahren nebenher und grinsen, meine Tochter fängt an zu zittern. Es kommt wie es kommen muss: Kelle raus, anhalten! Ein Latino steigt aus dem Polizeiauto und schlendert obercool auf Töchterchens Leihwagen (VW Polo) zu. Sie dreht am ganzen Körper zitternd die Scheibe herunter, eine Panikatacke jagt die nächste. Der Latino-Polizist fragt: Na wie geht’s?“ Tochter antwortet: „Joot (natürlich auf spanisch).“ Und dann – halten Sie sich gut fest – sagt der argentinische Bulle: „Gib mir mal deine Handy- Nummer, ich rufe dich heute Abend an.“ Und Tschüss! Soviel dazu. Was wollte ich eigentlich sagen? Vergessen! Mittwoch, bei herrlichstem Sonnenschein, wollte ich zum ersten Mal in diesem Jahr wieder meinen Arbeitsplatz vorm Markt3 beziehen und ein wenig tippen. Ging nicht. Pausenlos hörte ich meinen Lieblingssatz: „So wie du arbeitest, möchte ich mal Urlaub machen.“ Das macht keinen Spass. Und dann kommt auch noch mein Lieblingsknöllchenschreiber mit Tränen in den Augen auf mich zu und sagt: „Ich musste dich leider aufschreiben, weil du hier doch nicht parken darfst.“ Alles beim Alten. Der Frühling kann loslegen. Telefon. Endlich! Also: Heute Abend wird mit den LIONS im Kurhaus bei freiem Eintritt gefeiert, zu Gunsten der Erdbeben- Opfer in Haiti. Machen Sie mit, kommen Sie vorbei, jede auch noch so müde Spende hilft entsetzliche Not zu mildern. Und das Programm ist wirklich erlebenswert. Tschüss, bis später…

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