Wild-Wochen im Chimära in der Bonner Altstadt

bösARTig

August 16, 2010

Meine sehr verehrten Damen und Herren, es gibt auch wunderschöne Momente im Leben. Ich meine jetzt nicht unbedingt die Tatsache, dass unserer hochverehrter Grafiker Ralf Kolmsee seinen wohverdienten Urlaub auf Sylt verbringt während ich einsam und allein vom Verlagsgebäude auf Selhof herunter blicke. Nein! Patrick Reinbold, Gestalter der HWZ wenn Herr Kolmsee in Urlaub ist, das ist häufig der Fall, hat mich Mitte der Woche angerufen, „du, hör mal, es geht los.“ Natürlich waren wir bestens vorbereitet, diese Ausgabe war quasi Mittwoch schon fertig. Lange Rede kurzer Sinn: In der Nacht zum Donnerstag ist Patrick Reinbold zum zweiten Mal Vater geworden. Dazu gratulieren wir ganz herzlich. Wenn sich also kleinere Gestaltungspannen in diese Ausgabe eingeschlichen haben, dann wissen Sie Bescheid. Ich weis das aus Erfahrung: Vor Geburten sind werdende Väter viel aufgeregter als die coolen Mütter. Sodele, der Freude aber noch nicht genug. Am 10. August hat die meistzitierte Tageszeitung Deutschlands, die BILD, unsere kuschelige Heimatzeitung zitiert. Es ging dabei um unser Gespräch mit Annas leiblicher Mutter. Zu diesem traurigen Thema gibt es sehr wenige Neuigkeiten. Außer, dass es am 31. August um 17 Uhr eine ökumenische Trauerfeier für Anna geben soll, in der Kirche Maria Königin des Friedens am Schulzentrum der CJD Schule Königswinter. Das berichtete die Bonner Rundschau. Der WDR berichtete gestern über die Aussagen einer Nachbarin der Pflegeeltern in der Honnefer Austraße. So habe sie fast jede Nacht verzweifelte Kinderschreie gehört. Am Tag vor ihrem Tod soll Anna versucht haben zu flüchten und sprang vom Balkon. Ihre 150 Kilo schwere Pflegemutter holte sie ein und habe sich mit vollem Körpergewicht auf das zierliche Kind gesetzt. Das ist alles schlicht weg unglaublich. In einem Leserbrief (Auszug) schreibt die Familie Böckmann: „Müssen wir immer wieder und wieder schockiert sein, wenn diese teuflische Quadriga aus Ignoranz und Gleichgültigkeit, Inkompetenz und Schlamperei durch das Land zieht? Sie zieht von West nach Nord nach Süd nach Ost und immer mehr Orte, Dörfer, Städte werden in ihr unsägliches Gästebuch eingetragen. Orte, an denen Kinder von Ihren Eltern, Pflegeeltern, Adoptiveltern misshandelt, gequält, missbraucht, getötet werden. Immer wieder sind alle sehr betroffen, aber dann spannt keiner die Pferde aus, sondern lässt die Kutsche weiterziehen durch das Land. Den nächsten Haltepunkt kennt nur der Kutscher.“ Dem Leserbrief wurde ein selbsverfasstes Gedicht beigefügt. Hier ein Auszug:

ANNA: Weißt du, wie es ist, wenn du atmest und nur Wasser in deine Lungen strömt? Wenn du kämpfst, um ein bisschen Luft zum Leben. Doch die Hände, die dich halten, halten dich fest, fest unter Wasser? Kein Entkommen! Es sind die Hände, in deren Obhut du gegeben wurdest,die dich halten, halten und aufrichten, schützen und stützen sollten: Sie sollten dir geben, was du in deinem kurzen langen Kinderleben nicht bekommen hast: Fürsorge, Wärme, Zuneigung, Geborgenheit, Vertrauen, Liebe: ein Zuhause. Die, die dich hier abgeliefert, ausgeliefert haben, verschwunden! Klein, von Angst beseelt. Von allen verlassen. Dein Sprung vom Balkon. Kein Entkommen…

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