Das Jahr des Sommermärchens
Januar 29, 2010
RÜCKBLICK: Die Nullerjahre sind vorbei. Der Versuch einer Beschreibung. Heute das Jahr 2006 | Helmut Böndel |



„Meine sehr verehrten Damen und Herren, es wird sich herum gesprochen haben: Wenn in den kommenden zwei Wochen kein „finanzielles Wunder“ geschieht, wird die HSZ nach genau vier Jahren eingestellt. Ich bitte Sie daher, für die kommende Ausgabe den folgenden Satz zu ergänzen: Die HSZ muss bleiben, weil… PS: Damit der lokale Informationsfluss aus allen relevanten Bereichen des Honnefer Lebens nicht gestoppt wird, ist bereits ein neues Zeitungskonzept in Arbeit.“









Diese, wie ich meine, dramatischen Zeilen habe ich Mitte Juli 2006 an unzählige Leser geschickt, es nutze nichts, am 6. August erschien die letzte Ausgabe der Honnefer Sonntagszeitung. Aber: Die Aussagen einiger mir wichtigen Menschen in dieser unseren Stadt: „Die HSZ muss bleiben, weil…“, war für mich Ansporn weiter zu machen. Wally Feiden beispielsweise schrieb: „Ohne Bö’s Ansichtssachen (Heute Bösartig) wird das Sonntagsfrühstück weniger aufregend.“ Michael Holmer Gerdes: „Traurig, traurig, jetzt muss ich zukünftig auf Bö’s Ansichtssachen verzichten.“ Lange Rede kurzer Sinn: Viele Unternehmer haben mich mit Anzeigen unterstützt und so konnte bereits Ende August 2006 das Unternehmen „Bad Honnefer Wochenzeitung“ an den Start gehen. Mal abgesehen vom Ende der Sonntagszeitung war die Stimmung im Jahre 2006 in Bad Honnef überwiegend gut. Man hatte sich an die rote Wally gewöhnt und die Fußball-WM inklusive Traumwetter bescherte uns allen ein Sommermärchen bisher noch nie gekannter Art. Trotz der Mehrwertsteuererhöhung blickte die Honnefer Unternehmerschaft optimistisch ins kommende Jahr. „Wir müssen weiterhin fleißig sein und uns mit einem individuellen, serviceorientierten Angebot von anderen Städten abheben,“ hieß es damals. Die Köpfe der Innenstadtgemeinschaft, Jürgen Kutter und Georg Zumsande, würden auch in Zukunft Veranstaltungen rund um die verkaufsoffenen Wochenenden organisieren. Die bisher dafür zuständige Geschäftsführerin des „ruhenden“ Stadtforums, Marita Weinberg, „ist nicht mehr mit im Boot, aber das schaffen wir auch so,“ stellt Zumsande fest. „Die Veranstaltungen sind etabliert, die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung funktioniert ausgezeichnet. Alles kein Problem.“ Auch ohne das Stadtforum wird es weiterhin absatzfördernde Feste in der Stadt geben. Zumsande: „Dabei können wir uns allerdings nur auf die Innenstadt konzentrieren.“ Im Rückblick sind die Honnefer Unternehmer überwiegend zufrieden. Besonders die Gastronomen: „Das Weihnachtsgeschäft lief so gut wie noch nie“. Intersport Chef Axel Schmidt: „Wir hatten ein gutes Jahr. Drei Faktoren haben dabei eine gewichtige Rolle gespielt: Der Räumungsverkauf wegen Umbau, der Jubiläumsverkauf und die Fußball-WM. 2007 wird es schwerer, obwohl wir die Mehrwertsteuererhöhung nur mit einem Prozentpunkt an den Kunden weiter geben. Das macht bei einem 50-Euro-Schuh, 50 Cent aus.“ Jörg und Dirk Pütz, Geschäftsführer des HIT Marktes im Honnefer Süden sagen: „2006 begann verhalten, in der zweiten Jahreshälfte ist es besser geworden und das Weihnachtsgeschäft war wider Erwarten ganz stark. So konnten wir den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr leicht steigern. Wir hoffen, dass der Trend anhält, denn wir haben stetig steigende Kosten, beispielsweise bei Energie, beim Personal oder bei den Versicherungen.“ Philomena Archut mit ihrem Damenmodengeschäft in der Hauptstraße stellt fest: „Es kommen immer weniger Menschen in die Hauptstraße. Nur wenn Dienstags die neuen Angebote von „Tschibo“ in die Schaufenster gestellt werden, dann knubbelt es sich hier.“ Die großen Stadtfeste hätten allerdings „einiges gebracht“. Und so sollte es quasi bis heute bleiben.
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