Wild-Wochen im Chimära in der Bonner Altstadt

Der Bürger – bewusst ahnungslos?

Februar 29, 2008

Desinteresse zementiert Ahnungslosigkeit. Es fällt eben allemal leichter, zu meckern, Gerüchte zu verbreiten und auf alten Vorurteilen sitzen zu bleiben, wenn man sich nicht informiert oder kritisch mit einer anderen Meinung auseinander setzt. Man könnte hin und wieder verzweifeln! Da nimmt sich der Präsident des Bundesrechnungshofs vor einigen Wochen einen ganzen Abend Zeit, um interessierten Honnefer Bürgern etwas darüber zu erzählen, wie seine Behörde arbeitet und was sie an öffentlicher Steuerverschleuderung schon alles aufgedeckt hat. Er weiß aber auch zu berichten, dass unser Gemeinwesen im internationalen Vergleich gut dasteht und dass sein Rechnungshof unwirtschaftliche Projekte schon im Keim erstickt. Da lädt eine örtliche politische Partei eine kompetente Bildungspolitikerin
mit Landtagsmandat ein, um über Schule im allgemeinen und die Honnefer Situation im besonderen zu referieren. Neben den interessierten „Stammgästen“ solcher Informationsveranstaltungen haben sich einige pensionierte Pädagogen eingefunden, die ihren Frust über das vorhandene Schulsystem nur noch nacharbeiten können. Mit einer Ausnahme ist unter den Besuchern der informativen Veranstaltung
kein aktiver Lehrer zu entdecken. Geschweige denn eine größere Anzahl der Eltern, die sich gern am Mittagstisch das Maul über die Zustände an den Honnefer Schulen zerreißen, der Politik alles und jedes in die Schuhe schieben, aber sich nicht aufraffen können, sich einmal Informationen aus erster Hand geben
zu lassen.

Es kann doch nicht wahr sein, dass sie sich alle nur davon haben abhalten lassen, weil die „eine“ Partei und nicht die „andere“ als Veranstalter auftrat. Was steckt hinter einer solchen Haltung für ein Demokratieverständnis,was für ein Bürgersinn? Sten Martenson

Hinweis der HWZ-Redaktion: Bitte lesen Sie dazu auch den Leserbrief von Josef Thienen

Kommentare

Ein Kommentar to “Der Bürger – bewusst ahnungslos?”

  1. jan iversen on Februar 29th, 2008 14:52

    Auch wenn ich den Frust des Pressesprechers der SPD gut nachvollziehen kann. Der arrogante Grundton in Verbindung mit einer Schuldzuweisung an die Bürger, anstatt sich als Kommunalpolitiker an die eigene Nase zu fassen, ist doch mehr als befremdlich. Sonst redet die Honnefer SPD doch auch immer von repräsentativer Demokratie - siehe NLP - oder gilt das nur wenn’s denn genehm ist?

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