Der Prozess der deutschen Wiedervereinigung
Oktober 30, 2009
KATHOLISCH-SOZIALES-INSTITUT: Von Anfang an dabei (Teil 1) | Werner Osterbrink |
Am 9. November jährt sich zum 20. Mal der Tag des Mauerfalls und der Öffnung der innerdeutschen Grenzen, Ereignisse die ein Jahr später zur Deutschen Einheit führten, ein Ereignis, auf das die Mehrheit der Menschen in der DDR nach Errichtung der Mauer am 13. August 1961 sehnlich gehofft, an das, realistisch gesehen, die Mehrheit der Menschen jedoch, besonders auch im Westen , nicht mehr geglaubt hatten. Und jenen, die das Ziel der Wiedervereinigung nicht aus den Augen verloren hatten, wurde häufig der schlimme Begriff der „Lebenslüge“ entgegen gehalten. Ungeachtet von Resignation und Gleichgültigkeit in weiten Kreisen, gab es jedoch viele Initiativen in der alten Bundesrepublik, denen das Schicksal der Menschen im unfreien Teil Deutschlands eben nicht gleichgültig war und die sich über Jahrzehnte, nicht nachlassend, mit den Problemen der Deutschen Teilung auseinandersetzten. So mit Sicherheit auch in Bad Honnef. Es wäre interessant zu erfahren, auf welche Weise Mitbürgerinnen und Mitbürger, Institutionen, Vereine in Bad Honnef die Deutsche Teilung und den Prozess der Wiedervereinigung erfahren und ggf. begleitet haben. Der Verfasser des nachfolgenden Artikels hat 33 Jahre in einer Erwachsenenbildungsstätte mit sozial- und gesellschaftspolitischer Zielrichtung als pädagogischer Mitarbeiter und Leiter eines Langzeitstudiengangs gearbeitet. Er berichtet in dieser und den folgenden Ausgaben der HWZ über die deutschlandpolitische Bildungsarbeit des Katholisch-Sozialen Instituts (KSI) in Bad Honnef und dessen Bemühungen, jungen westdeutschen Arbeitnehmern das Los der Menschen im anderen Teil Deutschlands nahe zu bringen, den Gedanken an die Deutsche Einheit wach zu halten und nach der Wiedervereinigung den Aufbau demokratischer Strukturen beim Übergang der DDR von der Zentralverwaltungs- in die Marktwirtschaft zu fördern und zu begleiten.
Die Ausgangssituation in den Jahren 1953/54
Das KSI, 1947 gegründet, begann 1953 mit seiner Arbeit im damaligen Honnefer Antoniusheim und eröffnete 1954 den ersten Jahreslehrgang für Arbeitnehmer, der, gewissermaßen als „Flagschiff“ des Instituts, 48 Jahre ununterbrochen durchgeführt wurde und dem das Sozialinstitut über Jahrzehnte seinen Ruf als Garant für katholisch-soziale Bildungsarbeit verdankte. Der erste wie auch die folgenden Lehrgänge fanden in einer Zeit statt, die noch stark geprägt war von den Aus- und Nachwirkungen des 2. Weltkrieges: Zerstörte Städte, ganze Regionen, wie das Ruhrgebiet, die danieder lagen, ein Millionenheer von Flüchtlingen und Vertriebenen aus dem Osten musste integriert werden, Wiederaufbau der zerstörten Städte, der Fabriken und Betriebe etc, etc. Diese Umstände, nicht zuletzt aber die sich abzeichnende Teilung in West und Ost kennzeichnete die damalige Situation und bestimmte die sozial- wie gesellschaftspolitische, aber auch die allgemeine politische Diskussion: Berlinkrise, Chrustchew-Ultimatum, Aufstand der Arbeiter in der SBZ 1953, sind nur einige Stichworte, die für die Situation im getrennten Deutschland bestimmend waren. Die letzten Kriegsgefangenen kehrten erst 1956 aus sowjet-russischer Kriegsgefangenschaft heim. Das waren u.a die äußeren Begleiterscheinungen für Teilnehmer der ersten Jahreslehrgänge, unter ihnen viele ehemalige Kriegsteilnehmer, die in der Regel einige Jahre Kriegsgefangenschaft hinter sich hatten. Andererseits jedoch eine nicht zu bremsende Aufbruchstimmung und das Bestreben so vieler Lehrgangsteilnehmer, am Aufbau demokratischer Strukturen in Westdeutschland mitzuwirken. Vor allem in den Gewerkschaften, den Verbänden der Sozialbewegung sowie in den Sozialausschüssen (CDA) der Christlich-Demokratischen/ Sozialen Union. Schließlich von Anfang an eine klare antikommunistische Grundeinstellung sowohl der Institutsverantwortlichen als auch der Lehrgangsteilnehmer und ein ebenso klares Bekenntnis für ein wieder zu vereinigendes Deutschland. Dazu bildete die Auseinandersetzung mit dem „Gesellschaftsordnungssystem“ im anderen Teil Deutschlands den Hintergrund. Wie ein roter Faden zogen sich durch die Programme des Instituts während jener Zeit, insbesondere auch durch den Lehrplan des Jahreslehrgangs Themen wie „Dialektischer Materialismus“, „Marxismus- Leninismus“, „Sozialismus“ und „Sowjet-Kommunismus“. Die Bücher von Pater Prof. Gustav A. Wetter und Wolfgang Leonhard waren Bestseller unter den Lehrgangsteilnehmern.
Fortsetzung folgt
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