Wild-Wochen im Chimära in der Bonner Altstadt

Die Gemeinde ist am Zug

Juli 31, 2009

Unser schönes Honnef hat eine lange Geschichte und da die Stadt in den beiden Weltkriegen des vergangenen Jahrhunderts nicht zerstört wurde, leben hier die architektonischen Zeugnisse verschiedenster Epochen recht harmonisch nebeneinander. Wer hierher zieht braucht lange, bevor er all die Sehenswürdigkeiten entdeckt hat, die es in der Architektur und zahlreichen Grünanlagen gibt, mit einer Fülle von seltenen stattlichen Bäumen, die von botanisch interessierten Bürgern oft schon im 19ten Jahrhundert gepflanzt wurden. Unter den Anlagen zu den schönsten gehört ohne Zweifel auch der Rhöndorfer Waldfriedhof, der auf Grund seiner einmaligen Lage inmitten des Waldes, fern jeden Lärms, in ganz besonderer Weise ein Ort der Andacht und des Gedenkens ist. Er erhält seine besondere Note durch die Tatsache, dass dort Konrad Adenauer und seine Familie beerdigt sind, derjenige Staatsmann, dem wie keinem zweiten das Verdienst zukommt, Deutschland aus dem totalen Zusammenbruch des verlorenen Krieges mit viel Mut und Weisheit den Weg zurück in die Weltgemeinschaft geöffnet und damit letztlich auch die Grundlage für die Wiedergewinnung der deutschen Einheit geschaffen zu haben.

Auf diesem Friedhof sind auch meine Eltern begraben. Wann immer ich dort das Grab aufsuche, treffe ich auf Menschen, die zahlreich von außerhalb kommen und nun auch das Adenauergrab besuchen wollen. Ihnen sollte der Friedhof, wie ich meine, ebenso wie den Angehörigen der dort Begrabenen ein gepflegtes Bild bieten. Das ist derzeit leider nicht der Fall!

In ganz besonderem Maße gilt dies für den Teich in der Mitte des jüngeren Teils des Friedhofs, noch vor wenigen Jahren ein ansprechender Ort, zum Verweilen einladend und auch gedacht. Ein grüner Biotop zumal, der es Amphibien (Kröten und Fröschen) ermöglichte, dort zu laichen, und auf dem regelmäßig in einem kleinen, von Menschenhand gezimmerten Häuschen Enten nisteten. Ein Zulauf aus wilder Waldquelle sorgte für frisches Wasser, Bänke boten den Besuchern Platz für Rast. Die Randbepflanzung eröffnete den Blick auf das Gewässer. Heute ist der Teich völlig heruntergekommen, von den Rändern her überwuchern Pflanzen die Ufer, es fließt kaum noch Wasser zu, eine dicke Schicht von Entengrütze bedeckt die Wasserfläche, der Teich verlandet und wird im übrigen, wenn die zahlreiche Vegetation, die in ihn hineingefallen ist und weiter hineinfällt, „kippen“ und ein totes Gewässer sein. Schon jetzt tauchen erste Stücke Plastikmüll in dem Gewässer auf. Die Verwahrlosung des Teiches wurde beschleunigt, als ein Sturm einen riesigen Baum in ihn kippte. Dieser Baum wurde inzwischen weitgehend beseitigt. Die Schäden am Teichrand sind indessen geblieben. Ich finde diesen Zustand schwer erträglich und stehe mit dieser Meinung nicht allein. Er ist jedenfalls nicht mit dem gepflegten Zustand der übrigen Stadt zu vereinbaren. Dem Vernehmen nach diente der einst künstlich angelegte Teich, lange vor Anlage des Friedhofs, als Reservoir für einen Springbrunnen der Villa Mertens. Die Vorfahren des jetzigen Inhabers des Café Profittlich in Rhöndorf pachteten später noch vor seiner Anlage den Teich von der Gemeinde und hielten dort Fische. Diese Fischzucht wird seit Jahrzehnten nicht mehr betrieben. Der Pachtvertrag ist gegenstandslos und Peter Profittlich ist mit jeglicher Sanierung des Teiches einverstanden . Unstreitig handelt es sich bei dem Grundstück um Eigentum der Gemeinde. Die Gemeinde ist deshalb am Zuge. Dass die Gemeinde wenig finanziellen Spielraum hat ist bekannt. Das sollte nicht hindern, dass sie sich der Angelegenheit annimmt und sich initiativ um eine Finanzierung aus öffentlichen und privaten Mitteln bemüht. Der größte Teil wird privat aufzubringen sein, was ja zum Teil auch durch Einbringen eigener Tätigkeit geschehen könnte. Wenn, wie ich höre, der Friedhof eine defizitäre Einrichtung ist, weil sich dort nicht mehr genügend Bürger bestatten lassen wollten, so sollte man auch daran denken, die Satzung zu ändern, die es heute dem Vernehmen nach unmöglich macht, zu Lebzeiten eine Grabstelle für sich zu erwerben. Wenn Honnef eine so schöne Stadt mit so vielen Sehenswürdigkeiten ist, wie ich sie sehe, dann trägt der Waldfriedhof zu diesem Bild ein gut Teil bei und Honnef sollte es sich zur Ehre anrechnen, die letzte Ruhestätte so vieler seiner Bürger in sehr gutem Zustand zu erhalten.

Dr. Jur. Immo Stabreit

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