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Die Geschichte der Rheinfähren

April 12, 2013

HISTORIE: Auch der Honnefer Fährbetrieb unterstand den Königswinterern. Von Heinz Willi Fleischhacker

Die Geschichte der RheinfährenDie Geschichte der RheinfährenDie Geschichte der RheinfährenDie Rheinschifffahrt ist schon sehr alt. Vom ausgehöhlten Baumstamm zum Schubschiff war der Weg sehr lang. Schon vor zwölftausend Jahren, so belegen Ausgrabungen, wurde der Rhein in Einbäumen befahren. Fährverbindungen von Königswinter aus gibt es nachweislich schon seit 500 Jahren. Zuerst wurden die Leute mit Nachen und Schalden über den Rhein nach Mehlem gefahren. Später, ab 1844, setzten die Königswinterer Fährbeerbten mit einer Gierponte über den Rhein. Nach den Gierponten folgten die Fährschiffe Königswinter I bis Königswinter IV.

Das Fährrecht

Am Anfang verfügten die Landesherren über das Fährrecht, das zu deren Hoheitsrechten gehörte. Im Laufe der Zeit gelangten sie durch Verkauf, Verpfändung, als Belohnung für Dienste an geistliche oder weltliche Herren. Die erste urkundliche Erwähnung des Königswinterer Fährrechtes, früher Fährgerechtigkeit genannt, trägt das Datum vom 25. März 1473.

Das Fährrecht von Königswinter war vom Kölner Erzbischof je zur Hälfte an das Apostelstift in Köln und an das St. Cassiusstift in Bonn gelangt. Die Stifte ließen das Fährrecht von je vier Mitgliedern der beiden Hofverbände ausüben, die mit diesem Recht belehnt waren. Die acht Männer waren gleichzeitig Eigentümer der Fährnachen. Die Wahrnehmung des Fährdienstes und die Fährnachen vererbten sich innerhalb ihrer Familien. So hatte man das Fährrecht und den Fährdienst in Erbpacht. Die Fährleute, daher auch Fährbeerbte genannt, wohnten in kleinen Häusern an der Fährstelle. Sie lag bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts im Süden von Königswinter, Am Fahr. Heute befindet sich dort in der Nähe das Wolfgang-Müller-Denkmal.

Das Fährrecht der Königswinterer erstreckte sich von Niederdollendorf bis Honnef und schloss die vorgelagerten Inseln ein. In diesem Stromabschnitt waren die Königswinterer alleine berechtigt, Menschen, Tiere und Güter von beiden Seiten über den Rhein zu transportieren. Das schloss ein, dass sich die Passagiere z.B. von der Mehlemer Seite ausschließlich von den Königswinterer Fährberechtigten fahren lassen mussten. Das Fährrecht wurde in der Folge weder von den Franzosen angetastet, deren Revolutionstruppen 1794 das linke Rheinufer besetzten, noch von der preußischen Regierung. Mit Schreiben vom 30. September 1843 wurde den Königswinterer Fährbeerbten von der preußischen Regierung ihr altes Fährrecht bestätigt. Jahrhundertelang erfolgte der Fährbetrieb von der Fährstelle Am Fahr mit Nachen und Schalden. Sie beförderten auch Fuhrwerke und Vieh zum gegenüberliegenden Rheinufer, wo heute das Mehlemer Weinhäuschen steht.

Die Gierponte

Im Oktober 1844 überquerte die erste Gierponte den Rhein. Sie war aus Holz und schwang an einer eisernen Kette von einem Ufer zum anderen. Die Kette, von acht Buchtnachen getragen, war am Oberstrom an einem Eichenstamm befestigt, den man in der Strommitte in den Flußgrund gerammt hatte. Zwei weitere hölzerne Gierponten folgten 1893, die letzte mit einem eisernen Rumpf. 1902 löste die erste Dampffähre die „Eiserne Ponte“ ab.

Das Fährschiff Königswinter I

Nun begann das Zeitalter der großen Königswinterer Fähren. Die „Königswinter I“ wurde 1902 in Betrieb genommen und war 32 Meter lang und neun Meter breit. Zwei Dampfmaschinen mit je 50 PS und mit zwei Kesseln von je 34 qm Heizfläche ausgerüstet, trieben das Schiff an.

Das Fährschiff Königswinter II

Nach 27 Jahren ersetzte man die erste Dampffähre durch die „Königswinter II“, und zwar am 20. April 1929. Die neue Fähre hatte eine Länge von 40 Metern und eine Breite von 12 Metern. Zwei Zweizylinder-Verbundmaschinen von je 110 PS trieben das Schiff an. Die „Königswinter II“ wurde 1957 umgebaut, verstärkt mit zwei je 230 PS MWM-Motoren. Gebaut hatte die Fähre die Schiffswerft und Maschinenfabrik Boeles in Bolnes/Holland. Sie war 58 Jahre im Einsatz und überquerte gemeinsam mit dem Fährschiff „Königswinter III, das am 12. November 1960 in Dienst gestellt wurde, noch bis 1987 den Strom.

Das Fährschiff Königswinter III

Die „Königswinter III“ erzeugte eine Antriebsleistung über vier Dieselmotoren von je 215 PS, die über Schottel-Ruderpropeiler abgegeben wurden. Bei einer Länge von 42 Metern und einer Breite von 15 Metern fasste sie 36 PKW. Die Clausen-Werft in Oberwinter baute das Schiff. Am 5. Februar 1997 hatte auch diese Fähre ihre Schuldigkeit getan und musste einer noch größeren Platz machen.

Das Fährschiff Königswinter IV

Die „Königswinter IV ein Drei-Millionen- Projekt, in der Lux-Werft in Mondorf entstanden, musste nacheinander in zwei Hälften gebaut werden, da sie als Ganzes nicht in die Werkshalle gepasst hätte. Die fertige erste Hälfte wurde nach draußen verlegt und später mit der zweiten Hälfte verschweißt. Einige technische Daten zu dieser Großfähre, die 50 PKW aufnehmen kann: Sie ist 46 Meter lang und 20 Meter breit und mit vier Motoren mit einer Leistungsstärke von insgesamt 1200 PS ausgestattet. Zwei Tanks von je 10 000 Liter Dieselkraftstoff sorgen für den Antrieb der Motoren. Seit 29. Mai 1900 heißt das Betreiberunternehmen „Rheinfähre Königswinter GmbH“.

Das Fährboot-Unglück 1961

Es hat nicht nur gute Zeiten für den Fährbetrieb gegeben. 1961, in der Nacht vom 25. Juni, kollidierte das zwischen Königswinter und Mehlem verkehrende Fährboot „Kriemhild“ der Königswinterer Fährgesellschaft mit dem zu Berg fahrenden 500-Tonnen-Motorschiff „Rhenser- Brunnen“. Das Fährboot kenterte und versank innerhalb von Sekunden. Sechs von zehn Personen auf dem Fährboot starben, drei Fahrgäste wurden zum Teil schwer verletzt. Seit diesem Unglück verkehrt nachts keine Fähre mehr zwischen Königswinter und Mehlem. Kurz vor 22 Uhr stellt die „Königswinter IV ihre Fahrten ein und liegt bis 5.45 Uhr an der Anlegebrücke in Königswinter.

Adenauer und die Fähre

„Wenn Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer beabsichtigte zu seinem Amtssitz Palais Schaumburg zu fahren, fuhr ein Pkw vor. Sobald Adenauer den Weg von seinem Haus herunterkam, wurde die Besatzung der Fähre in Königswinter angerufen. Der Konvoi bestand aus einem Porsche vorweg, dann folgte das Fahrzeug mit Adenauer, dahinter ein Fahrzeug mit Polzeibeamten. Bei Eintreffen der Meldung aus Rhöndorf, wurde die Fähre ohne weitere Passagiere und Fahrzeuge bereitgestellt. Nach einigen Jahren wollte das Königswinterer Unternehmen den Vorzug der alleinigen Überfahrt, also ohne weitere Passagiere, nicht mehr gewährleisten. Daraufhin überquerte Adenauer in Niederdollendorf mit der dortigen Fähre den Rhein, Hier wartete die Fähre ausschließlich auf ihren hohen Gast. Noch zu Lebzeiten Adenauers erhielt eine Fähre seinen Namen“, erinnert sich Heinz Rosenow, der im Wachdienst am Adenauerhaus tätig war.

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