Wild-Wochen im Chimära in der Bonner Altstadt

Entwicklungshilfe muss ganz anders laufen (II)

August 8, 2008

ENTWICKLUNGSHILFE: Versuch einer Erklärung in drei Teilen. Teil II. Wir „erfinden“ den Krieg!

Sesshaftigkeit ist ein ganz schön kompliziertes Leben

Nehmen wir unsere direkten Vorväter in der Levante mal genauer unter die Lupe. Vor 400 Generationen – also vor ungefähr 12.000 Jahren – haben sie die Sesshaftigkeit erfunden. Und damit wurden wirklich alle Lebensbereiche menschlichen Daseins völlig umgekrempelt. Eine Revolution, wie man heute sagt. Ein monumentaler Schritt in die Zukunft, wenn man bedenkt, wie einfach doch das Nomadenleben vorher war. Und das kam so.

In der Levante, wo unsere Ahnen zu Hause waren, wurde es im Laufe der Zeit zu eng. Zu viele Menschen tummelten sich auf zu wenig Platz. Und die Nahrung wurde knapp, weil sich das Klima mal wieder veränderte. Permanenter Klimawandel war immer schon der zentrale Motor für menschliche Evolution. Er zog immer tiefgreifende Reaktionen in der Entwicklung der Menschheit nach sich. Wahrscheinlich würden wir ohne Klimawandel immer noch in Afrika auf den Bäumen leben.

Sesshaftigkeit ist ein ganz schön kompliziertes LebenAber zurück in die Levante. Damals hatten wahrscheinlich Männer die Idee, wildlebende Tiere einzufangen und zu züchten. Es waren harmlose Tiere, die dem Menschen nicht gefährlich werden konnten, wie Ziegen und Schafe. Aber auch Hunde wurden schon aus Wölfen gezähmt.

Damit war die schnelle Wanderung von einem Ort zum nächsten schwieriger geworden. Aber das Land war fruchtbar genug, um die Tiere an einem Ort zu ernähren. Und wahrscheinlich waren es die Frauen, die anfingen, an dem jetzt festen Wohnort Getreide und Früchte zu züchten. Das Nahrungsangebot war nicht mehr so vielseitig, wie im Nomadenleben. Die Körpergröße der Menschen nahm dadurch ab. Man fing an, Behausungen zu bauen. Dafür entwickelten sich Spezialisten, die das besonders gut konnten. Man konnte Vorräte für schlechte Zeiten anlegen. Sesshaftigkeit zog in allen Kulturen die Töpferei von Vorratsbehältern nach sich. Aber die Männer hatten nach 150.000 Generationen ihre ureigenste Aufgabe als Jäger im Wesentlichen verloren. Für eine Übergangszeit übernahmen die Frauen die wirtschaftliche und organisatorische Führung der Sippe. Weitere spezielle Handwerke entwickelten sich.

Besitz entstand und damit auch soziale Schichten. Einer war erfolgreicher und hatte mehr. Der andere weniger. Neid kam auf. Raub und Kriege – also organisierter Raub – entstanden. Eine neue Aufgabe für die Männer. Sie Übernahmen die Rolle des Angreifers aber auch die des Verteidigers. Bei Konflikten konnten die Menschen nicht mehr ausweichen, und man musste man sich vor den Feinden schützen. Zum Beispiel mit hohen Mauern um den Siedlungsplatz. Das ummauerte Jericho ist eines der ältesten Beispiele dafür.

Man grenzte sich regional immer weiter ab. Grund und Boden gehörte jedoch dem Bauern. Es gab noch keine feudalistischen Strukturen. Abhängigkeiten von einem Grundherrn entstanden erst im frühen Mittelalter.
Überschüssige Waren wurden zunächst getauscht. Daraus entwickelten sich Mathematik und Schrift, um die Handelsware zu verwalten. Die Keilschrift der Sumerer auf kleinen faustgroßen Tontäfelchen dokumentierte also anfangs im wesentlichen Warenmengen, also Zahlen. Das erste Geld entstand und es bestand zu Anfang aus verschieden langen Kupferdrähten. Dienstleistungen gegen Geld konnten sich entwickeln.

Rechtliche Aspekte, wie das Weitervererben von Besitz aber auch für andere soziale Bereiche mussten geregelt werden. Komplexe Zukunftsplanungen und ein Beamtenapparat zur Verwaltung aller Aspekte wurden erforderlich. Ein Bildungssystem entstand. Der Altenkult wurde über Bord geworfen. Man konnte ja jetzt Wissen durch Schrift konservieren. Sich spezialisierende „Priester“ organisierten Religionen, und institutionalisierten die Hochzeiten und den Totenkult.

Die Bevölkerungszahl wuchs mit der beginnenden Sesshaftigkeit zunächst dramatisch. Enges Zusammenleben mit Haustieren zog ansteckende Krankheiten nach sich, die vom Tier auf den Menschen übersprangen. Masern als älteste bekannte Infektionskrankheit hat ihren Ursprung in der Rinderpest. Fehlende hygienische Maßnahmen und Unkenntnis über die neu entstandenen Krankheiten zogen große Epidemien nach sich. Dennoch erhöhte sich insgesamt die durchschnittliche Lebenserwartung durch die regelmäßigere Ernährung. Eine absolute Revolution also, die sich über alle Lebensbereiche erstreckte.

Schon interessant, aber was hat das denn nun mit Entwicklungshilfe zu tun?

Lesen Sie die Auflösung in der nächsten Woche unter dem Titel:
„Aus der Steinzeit direkt ins Global Village“

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