Wild-Wochen im Chimära in der Bonner Altstadt

Entwicklungshilfe muss ganz anders laufen (III)

August 15, 2008

ENTWICKLUNGSHILFE: Versuch einer Erklärung in drei Teilen. Teil III. Kasambya: „Aus der Steinzeit direkt ins Global Village“ Die Zeit ist hier vor 9.000 Jahren stehengeblieben

Kommen wir zurück auf unser kleines Kasambya. Gemessen an der ganz großen Weltgeschichte stehen die Menschen hier, bezogen auf die beschriebene Entwicklungsgeschichte am Beginn der Sesshaftigkeit, also am Ende der Steinzeit. Vielleicht sind sie hier erst 30 Generationen sesshaft, vielleicht auch 50, also nur 1.500 Jahre. Bezogen auf unsere europäische Geschichte, ein relativ kleiner Zeitraum. Nomadenleben war, wie gesagt ein einfaches Leben und Afrika bot sehr lange die besten Vorraussetzungen dafür. Wenige Menschen und Nahrung im Überfluss. Für unser Projekt bedeutet das aber, dass sie eine Entwicklung von 300 Generationen überspringen müssen, um innerhalb der nächsten fünf Jahren auch mental in die heutige Zeit zu gelangen. Klar kennen viele schon die Errungenschaften der modernen Zivilisation. Aber zum Kauf fehlt ihnen das Geld. Ihr Einkommen liegt deutlich unter der von den Vereinten Nationen definierten Armutsgrenze von einem Dollar pro Tag, wenn überhaupt.

Aus der Steinzeit direkt ins Global VillageKasambya hat zwar einen Dorfältesten. Aber niemand hat sich beruflich spezialisiert. Man sorgt „von der Hand in den Mund“ für seinen eigenen täglichen Bedarf. Im Wesentlichen sind es die Frauen, die versuchen, so gut es geht, das Überleben der Familien zu sichern. Sie bestellen die Felder und versorgen die Familien und erziehen die Kinder. Es gibt so gut wie keine Vorrats- geschweige denn Überschusswirtschaft. Daher auch keinen Handel und daher auch kein Einkommen. Kasambya hat bisher keine ausgeprägten sozialen Schichten und kennt daher auch keinen Neid.

Spätestens jetzt sollten einem Zweifel am Sinn von Entwicklungshilfe kommen. Wollen wir das wirklich verändern?

Ja! Wir wollen das, denn das Rad der Geschichte lässt sich auch hier nicht mehr zurückdrehen.

Wir beziehen unsere Motivation nicht aus Mitleid, sondern aus unserem Sinn für Chancengleichheit, denn die Welt wächst in unglaublicher Geschwindigkeit zum „Globalen Dorf“ zusammen. Weltweit versuchen alle Industrienationen, hektisch und unkoordiniert die letzten Ressourcen unseres Planeten für ihr Wirtschaftswachstum zusammenzukratzen. Das hat historischen Hintergrund und ist aus ihrer Sicht sicherlich legitim. Chinesen, die zurzeit mit großer Macht reich werden wollen und deren Volkswirtschaft global und besonders in Afrika alle Rohstoffe verschlingt, derer sie habhaft werden können, stehen heute an der Spitze dieser Entwicklung. Wir wollen, dass unser kleines Dorf, und zwar alle Frauen und auch die Männer hier beteiligt werden, damit es eben nicht von wirtschaftlichen Interessen getrieben von der Bildfläche verschwindet.

„Hilfe zur Selbsthilfe“ ist dabei unser oberstes Ziel. Wir verschenken keine Almosen, sondern wir werden die Menschen und ihre nachfolgenden Generationen auf ein nachhaltiges Leben vorbereiten. Und das betrifft wirklich alle Lebensbereiche. Motivation und Bildung spielen die tragende Rolle. Aber auch Ernährung, Wasser, Gesundheit und Hygiene, Landwirtschaft, Handel, Handwerk und Technologien gehören dazu.

Wir haben den direkten Kontakt zu den Menschen, planen und bauen mit ihnen gemeinsam. Unsere finanziellen Beiträge versickern nicht in ominösen Organisationsstrukturen, sondern werden bezogen auf die jeweilige Maßnahme direkt zur Verfügung gestellt.

Schließlich müssen sie innerhalb von fünf Jahren 9.000 Jahre menschlicher Entwicklungsgeschichte nachhaltig überspringen.

Ein komplexes Projekt, von dessen Erfolg wir überzeugt sind.

Das Team der „Father Charles Convention“

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