Entwicklungshilfe muss ganz anders laufen (I)
August 1, 2008
Entwicklungshilfe: Versuch einer Erklärung in drei Teilen
In den nächsten drei Ausgaben beschreiben wir unsere Auffassung von Entwicklungshilfe und warum wir das Projekt ganzheitlich und gemeinsam mit möglichst allen Frauen und Männern in Kasambya angehen werden. Dazu müssen wir etwas ausholen, denn die äußerst spannende Trilogie beginnt bereits vor fünf Millionen Jahren.
Teil I. Was hat Panama mit den Affen in Afrika zu tun?
Ein kurzer Streifzug durch fünf Millionen Jahre Evolution
Wir stammen alle vom Affen ab. Gut, das weiß jeder und ist wirklich nichts Neues. Aber wie wir heutigen Menschen uns von dort aus entwickelt haben und warum wir alle so unterschiedlich geworden sind, ist eine absolut spannende Geschichte.
Und die geht so los.
Vor 5 Millionen Jahren gab es dort, wo heute Panama liegt, noch eine breite Verbindung zwischen dem Pazifik und dem Atlantik. Eine starke warme Meeresströmung presste sich aus dem Pazifik in den Atlantik und erwärmte dort das Wasser. Aber dann hat ein gewaltiger Vulkanausbruch eine Landbrücke zwischen dem nord- und südamerikanischen Kontinent geschlagen und die warme Meeresströmung versiegte abrupt. Die Wassertemperatur im Atlantik sank. Dadurch veränderte sich auch in Afrika das Klima. Es regnete weniger. Der so üppige Regenwald auf dem afrikanischen Kontinent begann sich zu lichten.
Besonders davon betroffen waren unsere Vorfahren, die besagten Affen. Gerade ihr Lebensraum veränderte sich gravierend. Konnten sie bisher zur Nahrungssuche von Baum zu Baum springen und waren so sicher vor Raubtieren am Boden, mussten sie jetzt die Bäume verlassen, um an die Nahrung auf den umliegenden Bäumen oder am Boden zu gelangen. Im teilweise dichten Unterholz waren sie jedoch nur aufrecht stehend in der Lage, ihre Feinde frühzeitig entdecken, um sich im Notfall auf den nächsten Baum zu flüchten.
Und als der Regenwald sich weiter lichtete, dass nicht mehr genügend Nahrung für alle vorhanden war, machten sich viele unserer Ahnen auf den Weg in die ungeschützten Savannen.
In der Hitze des Tages war es ein Vorteil, aus Gründen der Wärmeregulierung des Körpers ein Vorteil, aufrecht zu gehen, um weniger Körperfläche den gnadenlosen Sonnenstrahlen entgegen zu halten. Mit ihrem aufrechten Gang konnten sie riesige Distanzen zurücklegen. Die Nahrung in der Savanne war nicht mit der Nahrung im Regenwald zu vergleichen. Sie begannen zusätzlich zur vegetarischen Nahrung Insekten und Aas zu fressen. Später jagten sie lebende Tiere.
Ihr Fell wurde lichter. Fast nur noch die Haare auf dem Kopf blieben zum Schutz vor der Sonne. Ansonsten schwitzten sie mehr um den Körper mit Verdunstungskälte zu kühlen. Die ungeschützte Haut dunkelte von der UV Strahlung.
Sie hatten plötzlich die Hände frei und konnten sie anders verwenden. Erste Werkzeuge wurden benutzt. Steine und Stöcke für die Jagd um Tiere zu erschlagen und um Fische zu fangen.
Gegenüber heute ein relativ einfaches Leben. Man besaß nichts und der Tag wurde ausschließlich zur Nahrungsbeschaffung genutzt. War man satt, hatte man Feierabend. Die Ernährung änderte sich, und man entwickelte sich aus der Not heraus zum Allesfresser. Durch zusätzliche tierische Eiweiße wuchsen Körper und Hirn. Nachts musste man sich eine Bleibe suchen, bei der man vor wilden Tieren sicher war. Feuer wurde entdeckt und domestiziert. Durch den aufrechten Gang sank der Kehlkopf weiter in den Hals und das Weichgaren von Fleisch im Feuer verkleinerte den Kauapparat. Mit vergrößertem Hirn und verändertem Mund- Rachenraum konnten sie Sprache entwickeln und so weit perfektionieren, dass man sich nicht unbedingt sehen musste, um sich zu verständigen. Ein Riesenvorteil. Später wurden Werkzeuge für alle möglichen Zwecke aus Stein und Holz selbst hergestellt. Ihre Lebenserwartung lag durch den unsteten Lebenswandel deutlich unter dem heutigen Durchschnitt.
Mit diesen Fähigkeiten haben erste Menschengruppen schon früh den afrikanischen Kontinent verlassen und die Welt besiedelt. Sie waren nicht besonders erfolgreich, weil ihnen wahrscheinlich noch eine wesentliche Eigenschaft fehlte. Und das war ihr Unvermögen in die Zukunft schauen zu können. Ihnen war nicht bewusst, dass es ein morgen und übermorgen gab, und dass sie in fremder Umgebung mit anderen klimatischen Bedingungen Vorsorge treffen mussten, um zu überleben.
Erst der Homo sapiens hatte auch diese Fähigkeit vollends entwickelt und verließ Afrika vor 100.000 Jahren. Das ist jetzt 3.300 Generationen her. Einige blieben in der Levante, auch „fruchtbarer Halbmond“ genannt. Ein Gebiet südlich der heutigen Türkei und des Irans von Euphrat und Tigris durchzogen.
Andere zogen weiter und besiedelten jetzt erfolgreich den gesamten Planeten in östlicher Richtung durch Asien, über die Behringstraße bis nach Südamerika.
Jede Sippe hatte einen Anführer. Ihm gehorchte man blind. Alle anderen waren sozial gleich.
Es gab keine Kriminalität, und die Aufgaben zum Erhalt der Sippe waren klar verteilt. Männer gingen auf die gefährliche Jagd und erlegten Tiere und Frauen kümmerten sich um Nachwuchs und Höhle. Sie sammelten Früchte und Kräuter und bereiteten damit ein vielfältiges Nahrungsangebot zu. Jäger und Sammler prägten also den nomadischen Lebensstil. Die Alten wurden als Wissensträger besonders verehrt und gepflegt. Es gab noch keinen ausgeprägten Totenkult und vor Ereignissen, die man sich nicht erklären konnte wie zum Beispiel Gewitter, hatte man Angst.
Und was hat das alles mit Entwicklungshilfe zu tun?
Lesen Sie nächste Woche: „Wir `erfinden` den Krieg!“
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