Jeden Samstag und Sonntag Frühstück im Chimära in der Bonner Altstadt

Lebenslänglich

November 25, 2011

Das Bonner Landgericht hat am Donnerstag in Schwurgerichtsprozess um den Tod der kleinen Anna aus Bad Honnef die 52jährige Pflegemutter Petra W. wegen Mord aus niedrigen Beweggründen zu lebenslanger Haft verurteilt. Außerdem befand das Gericht die Angeklagte der Misshandlung und Freiheitsberaubung für schuldig. Der mitangeklagte Pflegevater Ralf W. wurde wegen Körperverletzung, Misshandlung Schutzbefohlener sowie Freiheitsberaubung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Damit fand der Prozessmarathon, der zwischenzeitlich unterbrochen und dann wieder neu aufgerollt werden musste, sein vermutlich vorläufiges Ende. Das öffentliche Interesse an der Urteilsverkündung war immens groß und viele Interessierte schafften es nicht, einen der 114 Zuhörerplätze im Saal 0.11 zu ergattern und dem Urteil sowie den Ausführungen des Kammervorsitzenden Josef Janßen zu folgen. Annas leiblicher Mutter war die Erleichterung nach dem Urteilsspruch ebenso deutlich anzumerken wie den meisten Zuhörern im Saal. Ein leises „Gott sei Dank“ kam in tränenerstickter Stimme über ihre Lippen. Der Vorsitzende zeichnete noch einmal ein Bild von Anna auf, das man nun seit einem Jahr vor Augen hatte. Ein Bild von einem freundlichen, fröhlichen und auch schelmisch wirkenden Mädchen, das aber auch nicht „einfach“ aufgrund der ständigen Wechsel ihrer Lebensräume war. Er beschrieb noch einmal Annas Weg in diese Pflegefamilie und die dann, ab Spätsommer 2009, bekannten Strafaktionen in der Badewanne. Nachbarn hörten die Schreie des Mädchens mitten in der Nacht und informierten später das Jugendamt. Ebenso machten sich Lehrer und Polizeibeamte Sorgen um das Kind und brachten diese zur Meldung. Besonders heraushören konnte man, dass es, trotz dem dreimal die Alarmglocken beim Jugendamt geschrillt hätten, von dort keinerlei Reaktionen gegeben habe. Im Gegenteil, man habe dort ganz im Sinne der Pflegemutter gehandelt und sich von Überprüfung und Kontrolle zurückgezogen.

Harald Hallerbach

Kommentare

Ein Kommentar to “Lebenslänglich”

  1. Markus Dorst on November 26th, 2011 00:00

    Ein gerechtes Urteil. Das Gericht hätte auch die “besondere Schwere der Tat” feststellen können, vielleicht wäre dies noch besser gewesen. Bleibt zu hoffen, dass die Verurteilte nicht in Revision geht, damit Annas Mutter, die viele Honnefer, wie ich, seit Sandkastenzeiten kennen, der Weg in ein unbeschwerteres Leben nicht weiter verbaut bleibt.

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