Vater sein ist gar nicht so schwer
Februar 26, 2010
JUGEND FORSCHT: Köln – Mexico City – Köln – Buenos Aires



Als die Schweinegrippe im vergangenen Jahr erst Mexico und dann den Rest der Welt lahm gelegt hat, war meine Tochter mitten drin, in Mexico City. Einmal ein Jahr lang durch Südamerika chillen nach dem Abitur, das ist heute ja nichts besonderes mehr. Nach einigen Monaten Aufenthalt danach im heimatlichen Köln, arbeiten, studieren, aufräumen, arbeiten, studieren, aufräumen, ist es völlig klar für einen Teenager der „ich liebe die Freiheit Generation“: nichts wie weg! Semesterferien. Das passt irgendwie gut. „Dad, ich bin dann mal wieder weg, nicht lange, nur sechs Wochen,“ strahlt mein Kind mich Anfang des Jahres an und ich denke, och, ist ja nicht weiter schlimm, mein Töchterchen fährt sicher mit ihren Freundinnen und ihrem Facebook zum relaxen nach Holland. Das habe ich früher ja quasi auch jedes Wochenende getan. Holland ist so schön. Aber ich höre ganz was anderes: „Ich fliege nach Buenos Aires“. Gut, dass ich ein cooler Typ bin: „Nach Argentinien?“ „Rrrrr- rischtisch,“ freut sich mein Kind, „du scheinst ja nicht nur Holland und das Siebengebirge zu kennen“. Lange Rede kurzer Sinn, meine Tochter Katharina ist 19 Jahre alt, ich sage ihr jede nur mögliche Unterstützung zu, und klar, ich bringe sie am 23. Februar zum Frankfurter Flughafen. Was wir beide Anfang Januar, da fand das Gespräch statt, nicht wussten: Just an diesem Tag sollten die verarmten Piloten der Lufthansa ihren Streik für eine Erhöhung ihrer Almosen beginnen. Egal. In Argentinien gibt es aktuell weder Bürgerkrieg noch Schweinegrippe, und es ist da ganz schön, überall Tango und 29 Grad, leichter Regen. Und ich bin stolz: Töchterchen begleitet ein Berliner Filmteam als Dolmetscherin bei Dreharbeiten für das Deutsche Fernsehen. Vergangenen Dienstag ging’s los. Stunden vorher habe ich noch gedacht, gut, dann machste nebenbei eine Reportage über den Streik. Tausende von wütenden Reisenden die nicht ausfliegen können, Randale vor meiner Kamera, live für die Honnefer Kuschelzeitung. Nichts da. Streik verschoben. Der Frankfurter Flughafen war in den frühen Morgenstunden wie leer gefegt. Und: Der Flieger nach Buenos Aires wäre eh gestartet, auch bei Streik. Also Abflug. 15 Stunden später der erste Eintrag in Facebook: „Der Flug war sehr lang, aber die Aussicht auf Afrika, die Sahara und die brasilianische Küste hat alles entschädigt. Wir gehen jetzt in eine Tango- Bar. Buenas Noches.“
Fortsetzung folgt
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