Wild-Wochen im Chimära in der Bonner Altstadt

Vom Krankenbett aus

Mai 16, 2008

Es ist nicht schön als engagierter Kommunalpolitiker krankheitsbedingt für längere Zeit von allen politischen Aktivitäten ausgeschlossen zu sein. Andererseits gewinnt man so die Zeit und den Abstand, Dinge einmal unaufgeregt und mit Abstand zu betrachten. Plötzlich nimmt man wahr, wie aktuelle Probleme dem Denken Scheuklappen verpassen und den Blick für größere Zusammenhänge verstellen.

Zum Beispiel wird nun seit geraumer Zeit von verschiedenen politischen Gruppierungen gefordert, dass
ein/-e Bürgermeister/-in Wirtschaftsfachfrau/- mann, Sanierer/-in und Verwaltungsfachfrau/- mann zu sein hat. Und mancher auch aus anderen politischen Lagern hat sich dazu angetrieben gefühlt, sich in der Debatte um die/den richtigen Kandidatin/Kandidaten in diese Richtung drängen zu lassen, so dass andere
Qualifikationen oft gar nicht mehr Teil der Diskussion waren. Aber brauchen wir wirklich als Oberhaupt der Stadt eine/n solche/n „Spezialistin/-en?“ Brauchen wir jemanden, der es als Führungskraft in Wirtschaft oder Verwaltung daran gewöhnt ist, dass am Ende einer Debatte letztlich das getan wird, was sie/er von Anfang an für richtig gehalten hat. Brauchen wir jemanden, der sich damit schon im ersten brisanten Fall an Rat, Bürgern und Presse die Zähne ausbeißen wird? Brauchen wir wirklich jemanden, der
sich in seinem Fachgebiet „austobt“, um in allen anderen Bereichen zu dilettieren und Defizite aufzubauen, die uns dann über lange Jahre nachhängen?

Nein, „Spezialisten“ brauchen wir als Ressortleiter – in Sachen Verwaltung, Recht, Soziales, Jugend, Bauen etc – und auch und jetzt besonders für den Bereich Wirtschaft. Ja, wir brauchen zur Entwicklung unserer Stadt die bestmöglichen Spezialisten – aber als Wirtschaftsförderer und nicht als Bürgermeister! Da mag man sich auch weiter trefflich über die Besetzung streiten – ich streite auch gerne mit. Aber als Bürgermeister/-in – da braucht unsere Stadt jemanden mit ganz anderen Prädikaten: Sie/er muss moderieren und ausgleichen und für die Stadt sinnvolle Kompromisse erreichen können. Sie/er muss Mitarbeiter/-innen motivieren und ihre Kenntnisse und ihr Engagement für die Stadt optimal nutzbar machen können. Sie/er muss das Charisma und die Erfahrung haben, auf allen denkbaren Ebenen im Interesse unserer Stadt mit Erfolg verhandeln zu können. Sie/er muss das politische „Geschäft“ aus dem
„FF“ beherrschen,denn sonst werden die fachkundigsten Pläne zwischen politischen Interessen schneller zerrieben, als sie noch so klug und weise erarbeitet wurden. Sie/er sollte über ein persönliches Netzwerk über möglichst viele Ebenen in Politik und Wirtschaft verfügen, über das sie/er wirkungsvoll Vorteile für
unsere Stadt durchsetzen und drohende Nachteile verhindern kann.

Ein/e Bürgermeister/-in muss also im besten Sinne ein/e Generalist/-in sein und kein/e Spezialist/-in mit enger Bandbreite! Wenn es dann noch eine Persönlichkeit ist, die diese Fähigkeiten im Amt bereits in der Praxis bewiesen hat,und die bereits nach wenigen Jahren nachweislich die von ihren Vorgängern hinterlassenen Ruinen räumen und das Fundament für neue positive Entwicklungen legen konnte, dann ist eine solche Persönlichkeit doch wohl das Beste, was unserer Stadt passieren kann. Das also ist mein Kriterienkatalog für ein wirklich gutes Stadtoberhaupt für eine wirklich gute Stadt, und komme mir niemand noch mal mit dieser Schmalspurdebatte um den besten Wirtschaftsfachmann auf dem Bürgermeistersessel! Klaus Munk

Kommentare

Ein Kommentar to “Vom Krankenbett aus”

  1. Prof. Dr. K. Merten on Mai 17th, 2008 11:26

    Liebe Mitbürger,

    es ist schon bemerkenswert und grenzt an Dreistigkeit, wie Herr Munk die bisherigen Leistungen und Fähigkeiten der amtierenden Bürgermeisterin beschreibt.

    Beim Lesen kommt spontan der Gedanke, dass die krankheitsbedingte Politikabstinenz des Verfassers zur Trübung der Wahrnehmung geführt hat. Bezogen darauf wünsche ich gute Besserung.

    Als kommunalpolitisch interessierter Bürger sehe ich nur unbestellte Felder, verfehlte Personalpolitik, stillgelegte Baustellen, Konzeptlosigkeit, einen schöngeredeten Haushalt und Selbstgefälligkeit.

    Unsere Heimatstadt Bad Honnef braucht neue Ideen, Innovation, Arbeitsplätze außerhalb der Verwaltung, tatsächliche Wirtschaftsförderung und zukunftsträchtige Konzepte.

    Wir erwarten von den Bürgermeisterkandidaten al das, was die Amtsinhaberin bisher nicht geboten hat.

    K. Merten

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