Von den Thailändern lernen …
Dezember 9, 2011
HONNEFER UNTERWEGS: Schlaglichter einer Studienreise von Peter Hurrelmann (Teil 2)
„Chaos“ in den Straßen
Wir Deutsche fahren ja nicht Auto um von A nach B zu gelangen, sondern um recht zu haben, sagt man. Alles ist geregelt und jeder achtet peinlich darauf, dass der andere die Regeln einhält. Und wehe nicht!! In Thailand, ja in fast ganz Asien ist das anders. Es gibt zwar Verkehrsregeln, aber die haben sich bis heute nicht wirklich durchgesetzt. Niemand kümmert sich um Regeln, sondern versucht alles im Blick zu behalten und sich mit anderen durch Winken und Hupen abzustimmen. Hupen hat dort eine andere Bedeutung. Während hier gehupt wird, um sich den Weg frei zu preschen, hupt man dort, um zu sagen, Vorsicht, ich bin in deiner Nähe. Ok, man fährt auf der Autobahn nicht unbedingt 220, aber man kommt dennoch ans Ziel und das ziemlich entspannt. Als Deutsche Fußgänger findet man immer mal wieder Zebrastreifen und sogar manchmal Fußgängerampeln. Aber weder das eine noch das andere bedeutet irgendwas. An solchen Ampeln findet man in Asien, wie übrigens fast überall auf der Welt immer nur Deutsche. Um eine Strasse zu überqueren muss man einfach losgehen und die Geschwindigkeit beibehalten. Dann können alle Fahrer abschätzen, ob sie vor oder hinter einem entlangfahren müssen. Bloß nicht anhalten.
Elefantenführerschein bestanden
Fünf Tonnen Lebendgewicht und ziemlich hoch steht er vor mir und sein Rüssel sucht die hinter meinem Rücken versteckten Bananen. Den Elefantenführerschein zu machen, erfordert ähnliche Anstrengungen wie das goldene Sportabzeichen. Wie im richtigen Leben steht aber vor allem erstmal die Theorie. Thailändische Elefanten hören auf folgendes: „Sssoooh“ und gleichzeitig vor das Schienbein treten heißt, „Bein anheben“ damit ich aufsteigen kann. „Megloooh“ bedeutet „hinsetzen“. Und wenn man dann „losfahren“ will, ruft man „Hee-Huibai“. Zum weiteren Beschleunigen und zum Lenken tritt man gleichzeitig oder wechselseitig rechts oder links kräftig hinter die Ohren. Anhalten funktioniert mit „Haaoooh“. Und mit „Kapaaa“ öffnet er das Maul, damit ich ihm eine Bananenstaude hinein schieben kann. Ohne diesen Biosprit geht nämlich gar nichts. Den Befehl für „rückwärts einparken“ hab ich leider wieder vergessen. Ich bin total stolz, dass ich mit wenigen Worten so ein großes Ungetüm steuern kann. Und dann geht’s los. Ich reite auf meiner 37-jährigen schwangeren Elefantenkuh. Und die hat permanent Hunger. Fressend fräst sie sich zwei Stunden lang eine Schneise durch den Urwald. Bergauf und bergab reißt sie alles aus dem Boden, was nach Bambus aussieht. Und ich ohne Sattel und ohne irgendetwas, an dem man sich festhalten könnte, sitze hinter ihrem Kopf. Im Tal ein Fluss, den wir zum Baden ansteuern. Und rein ins Vergnügen. Mit der Bürste die dicke, warme und etwas borstige Elefantenhaut zu schrubben ist anstrengend. Beim Aufstehen im Wasser spüre ich kurz den riesigen Elefantenfuß auf meinem Fuß. Er zuckt aber blitzschnell wieder zurück. Die Erfahrung, dass Elefanten unglaublich sensible Tiere seien, hört man ja immer wieder, aber das auch am eigenen Leib zu spüren ist schon eine tolle Erfahrung.
Kochkurs Thaifood mit Diplom absolviert
Kulinarisch ist Thailand das Land unserer absoluten Begierde. An jeder Straße sind fleißige Frauen und Männer dabei, in ihren Garküchen irgendetwas Leckeres zu kochen. Und sie verwenden so ziemlich alles, was die üppige Natur des Landes hergibt. Zitronengras, Fischsoße, Galgant, Kokosnussmilch, Palmzucker um nur einige Zutaten zu nennen. Und natürlich ist fast alles mit den kleinen roten Chilies extrem scharf gewürzt. Thailand zählt zu den schärfsten Küchen Asiens. Ich vertrage ja schon einiges, aber wenn man dem Koch vorher nichts sagt, kann der europäische Gaumen hier praktisch nicht überleben. Wir wollen in einer Kochschule das Thaifood- Kochdiplom machen. Der Kochkurs dauert einen Tag und man bereitet insgesamt acht Gerichte zu. Tom Yung Suppe ist auch dabei. Am Anfang steht die Herstellung der Curry- Paste. Sie gibt es in drei unterschiedlichen Varianten. Quasi, wie bei einer Ampel unterscheidet man grünen, gelben und roten Curry je nach Schärfegrad. Wie gesagt, rot grenzt für uns an Selbstmord. 15 verschieden Zutaten werden in einem Mörser zu einer Paste verarbeitet. Ein zentraler Punkt für mich ist, dass hier nur wenige Zutaten kleingeschnitten werden. Das meiste wird einfach unzerkleinert mit Öl und Brühe im Wok kurz angekocht.
Loy Krathon – mehr als Karneval
Kaum zu glauben, aber auch in Thailand feiert man gern und häufig. Wir haben das Glück, gerade zu Loy Krathon im Norden in Chiang Mai zu sein. Das ist für Loy Krathon so ähnlich, wie Köln für Karneval. Loy Krathon heißt übersetzt „schwimmendes Floß“ und ist ein Lichterfest, das landesweit um den Tag des Vollmonds im zwölften Monat des traditionellen thailändischen Mondkalenders gefeiert wird. Also vom 8. bis zum 11. November. Und wir mittendrin. Vorstellen kann man sich das Fest als eine Mischung aus riesigen Umzügen wie beim Karneval, Feuerwerk wie Silvester gespickt mit zehntausenden Papierheißluftballons am Himmel und selbstgebastelten kleinen Schiffchen mit Weihrauchstäbchen und Kerzen, die zu tausenden auf dem Fluss schwimmen. Auch hier haben wir noch einmal zugeschlagen, denn wenn man seinem Schiffchen ein Stückchen Fingernagel und eine kleine Haarlocke von sich mit auf die Reise gibt, bringt das auch wieder Glück. Ein überwältigendes Erlebnis über fast vier Tage. Also ich kann das wirklich nur empfehlen.
Zurück – Was haben wir gelernt?
Thailänder, wie überhaupt die meisten Asiaten sind voller Gleichmut und Geduld, friedfertig und für unsere Verhältnisse extrem freundlich. Der Unterschied fällt uns besonders stark bei unserer Rückkehr am Flughafen Frankfurt auf. Hier lacht niemand freiwillig. Selbst in außergewöhnlichen Situationen bleiben Asiaten stressfest. Vielleicht liegt es daran, dass sie sich praktisch in jeder Situation und zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort mit einem kleinen Nickerchen ungehemmt entspannen. Sie sind stets „busy“ und sie lieben und verehren ihre Monarchen König Bhumipol und Königin Sirikit wie kaum ein anderes Volk.
Und das mit dem Glück funktioniert auch, denn am Flughafen gehen wir ungeprüft durch den Zoll und finden auf Anhieb unser Auto wieder. Während der Rückfahrt auf der Autobahn komme ich wieder ins Grübeln: Wer ist denn nun eigentlich komisch? Die oder wir?
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