Jeden Samstag und Sonntag Frühstück im Chimära in der Bonner Altstadt

Von den Thailändern lernen …

Dezember 5, 2011

HONNEFER UNTERWEGS: Schlaglichter einer Studienreise von Peter Hurrelmann Teil 1

Silversurfer Peter Hurrelmann war 44 Jahre lang in unterschiedlichen Funktionen bei der Telekom beschäftigt. Der heutige Privatier ist in vielen Honnefer Vereinen aktiv tätig: KG Halt Pol, TV Eiche, Bündnis Familie, Freunde des Reitersdorfer Parks, um nur einige zu nennen.In den Fluten sind Dörfer zu erkennen, die schon seit Monaten unter Wasser stehen.Von den Thailändern lernen …Ich höre noch die nett gemeinten Warnungen: „Nehmt Gummistiefel mit!“. Die Internetseite der Botschaft in Bangkok empfiehlt nicht nach Thailand zu kommen. Man denkt auch schon über eine Reisewarnung nach. Wüste Katastrophenbilder im Fernsehen und auf Youtube. Wir fliegen trotzdem. Nach gut 10 Stunden dann Landeanflug auf Bangkok. Unter uns breiten sich riesige Wasserflächen aus. In den Fluten sind Dörfer zu erkennen, die schon seit Monaten unter Wasser stehen. Der Flughafen ist trocken und auch unser Hotel für die ersten drei Nächte. Überhaupt ist in der Stadt in einem Durchmesser von 30 Kilometern für den Touristen nichts von den Wassermassen zu sehen. Aber Versorgungsschwierigkeiten sind zu spüren. In den Supermarktketten gibt es teilweise kein Wasser in Plastikflaschen mehr und auch andere Grundnahrungsmittel fehlen. Überall entschuldigende Hinweise, dass es durch das Hochwasser zu Engpässen kommt. Über 500 Tote hat die Flut bisher gefordert. Die meisten kamen nach Aussagen der Behörden durch Stromschläge um, denn trotz Warnungen; kaum jemand schaltet den Strom in seinem Haus ab.

Gelassenheit und Medienrummel

Ich stelle mir vor, wenn halb Deutschland ein bis zwei Meter unter Wasser stände. O.K., wir kennen das vom Rheinhochwasser, aber es dauert hier keine 4 bis 5 Monate bis es wieder trocken ist. Unglaublich, wie diszipliniert und gelassen die Menschen in Thailand das hinnehmen. Von den fünf Millionen Thailändern, die noch betroffen sind, werden nur wenige jetzt, nach langen Monaten, ungeduldig. Alle TV-Stationen berichten rund um die Uhr in endlosen Filmbeiträgen über die Fluten. Aber kaum ein Beitrag zeigt Menschen, die wirklich in Not sind. Lachende Gesichter, die per Boot mit Nahrungsmitteln versorgt werden, Kinder, die endlich vor ihrem Haus schwimmen können. Alles scheint im Lot? Ich frage mich auch, über was thailändische Fernsehsender nach der Flut berichten?

Fleiß und Freundlichkeit

Scheinbar gibt es keinen Thailänder, der nicht mindestens irgendein noch so kleines Geschäft betreibt. Garküchen, Marktstände, Massagesalons, Apotheken, Stoffläden bis hin zum Lotterielosverkauf. Alle sind „busy“. Wir sehen kaum jemanden, der nichts zu tun hat. Es wird scharf gefeilscht, aber wenn ein Preis vereinbart worden ist, gibt es keine Nachverhandlungen. Und das alles mit einem ungestressten Lächeln. Es ist eine Wohltat für die Seele, wenn man durch die Straßen geht und sichtbar orientierungslos von einem wildfremden Thailänder lächelnd angesprochen wird, ob er einem behilflich sein könne. Ein wahrhaft freundliches, hilfsbereites Volk. Sie nehmen auch die vielen alten europäischen Männer nicht mehr wahr, die schon seit Jahren mit ihren jungen Thaifrauen dort leben. Für uns auch nach drei Wochen immer noch ein skurriler Anblick.

Buddhismus – Lebensgefühl und Glück

Buddhistische Mönche haben einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert. Selten haben wir so viele Tempel auf so kleinem Raum erlebt. Ich habe versucht, in der kurzen Zeit Buddhismus zu verstehen und eigentlich ist die Botschaft auch ganz einfach. Buddhismus basiert auf vier Erkenntnissen. Erstens, dass das Leben von Leiden geprägt ist. Zweitens, dass dieses Leiden durch Gier, Hass und Verblendung verursacht wird. Drittens, dass das Leiden durch Beseitigung dieser Ursachen beendet werden kann und viertens, dass der Weg dahin über den sogenannten „achtfachen Pfad“ führt. In Kurzform heißt das, in allen Lebenssituationen ehrlich und aufrichtig zu sein. Aufrechte Gesinnung und Absicht, aufrechtes Denken, Reden und Handeln. So einfach ist das. Werte, die bei uns zunehmend in Vergessenheit geraten. Ich hoffe, ich habe das einigermaßen umfassend wiedergegeben. Aber noch mal zurück zu den Mönchen. Das Straßenbild ist geprägt von ihren orangefarbenen Umhängen. Sie werden in jeder Lebenslage vorrangig behandelt und verehrt. Um permanentes Glück zu erlangen, lassen wir uns in einem Tempel von einem Mönch einen Baumwollfaden, getränkt mit heiligem Wasser, umbinden.

Nachdem wir uns ihm auf Knien genähert haben, vollzieht der Mönch die heilige Handlung jedoch nur an mir. Meine Frau muss sich das Band von einem „Hilfsgeistlichen“ ums Handgelenk binden lassen. Buddhistische Mönche dürfen Frauen nicht anfassen. Weiteres Glück erkaufen wir uns als wir neben einem Tempel fünf Vögel freilassen, die wir vorher für 2,50 Euro in einem kleinen Käfig kaufen. „Lucky forever!“.

(Fortsetzung in der nächsten Ausgabe der HWZ)

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